Verfasst von Admin am 27. Oktober 2007 - 5:37.
Die jüngste Zinssenkung durch die FED war nicht nur Zunder für die weltweiten Aktienmärkte - es katapultierte auch den Euro zum ersten Mal in seiner Geschichte über die 1,40er-Marke zum US-Dollar. Nur der gute alte Schilling war schon einmal stärker, nämlich mit neun Schilling für einen Dollar (aktuell läge der fiktive Wechselkurs bei umgerechnet 9,81 Schilling für einen Dollar). Damit fand der „Bullen-Ritt" des US-Dollar nach unten seine Fortsetzung. Aber es könnte noch besser kommen, denn schon im November könnte es eine weitere Zinssenkung der US-Notenbank geben und der „Greenback" sich dann noch weiter nach „Süden" (also nach unten) begeben. Die Dollar-Schwäche selbst ist für Kreditnehmer nicht (mehr) von Vorteil. Wer beinhart „gepokert" und - wie an dieser Stelle vor einigen Monaten beschrieben - seinen Kredit in US-Dollar gewechselt hat, kann sich über einen schönen Gewinn freuen. Jetzt wird es aber auch für alle „Dollar-Freunde" langsam Zeit, die US-Währung wieder zu verlassen. Denn spätestens im Frühjahr, meint auch RZB-Chefanalyst Peter Brezinschek, könnte der Dollar wieder stärker werden.
US-Dollar nicht auf ewig schwach
Denn mit dem fallenden Dollar steigt das Wehgeschrei der Exportwirtschaft und damit auch der politische Druck, den Euro in ruhigere Gewässer zu lenken - sprich: den Wechselkurs zu senken.
Zinsmäßig konnte man als Fremdwährungskreditnehmer beim „Greenback" ohnehin nichts verdienen, weil das Zinsniveau über jenem des Euro lag. Bei den Ausleihungen in US-Dollar gab es im zweiten Quartal 2007 laut Oesterreichischer Nationalbank zwar einen leichten Anstieg um 1,9 Prozent oder 0,1 auf 2,6 Milliarden Euro zu verzeichnen.
Im Vergleich zum Jahresbeginn sank der Stand an US-Dollar-Krediten aber um 8,3 Prozent (oder wechselkursbereinigt um sechs Prozent).
Auch für alle, die im Franken (und das ist die überwiegende Mehrheit, siehe Tabelle) oder im Yen finanziert sind, ist es höchste Zeit, die Währungsgewinne zu sichern: entweder mit einem Devisentermingeschäft oder mit einem Wechsel in die Schwedische Krone. Diese bietet zwar nur einen Zinsvorteil von rund einem halben Prozent zum Euro, gilt aber als überbewertet - hier sind Währungsgewinne „drin". Ein - wie Analysten wie der Wiener Währungsanalyst Gerhard Massenbauer meinen - trefflicher Hafen zum Überwintern, bis der Yen endlich wieder stark genug für einen Einstieg ist.
Stand Fremdwährungsausleihungen 2007 (in Mrd.€)
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in Summe
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in CHF
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in JPY
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in CZK
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2006/Dezember
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52,3
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47,5
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0,175
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2007/Jänner
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51,4
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46,6
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0,227
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2007/Februar
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51,8
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46,7
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0,388
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2007/März
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51,4
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46,4
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0,438
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2007/April
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50,1
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45,2
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0,441
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2007/Mai
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49,6
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44,6
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0,462
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2007/Juni
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48,7
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43,8
|
0,501
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Zinsdruck lässt nach
Die gute Nachricht für alle Fremdwährungs-Kreditnehmer - und hier spielen die Zinssenkung und die darauf folgende Dollar-Schwäche sehr wohl eine Rolle. Der Druck ständig steigender Zinsen dürfte erst einmal vorüber sein, meint Massenbauer: „Die US-Zinssenkung bedeutet für Fremdwährungs-Kreditnehmer deutlich weniger Aussicht auf weitere Zinssteuerungen in den kommenden sechs Monaten." Massenbauer erwartet eine Zinspause bei Franken und Euro: "Im Yen würde ich das nicht erwarten, ich halte eher eine Normalisierung für möglich."
Insgesamt hat die Fremdwährungsfinanzierung erstmals an Beliebtheit verloren. Das Gesamtvolumen von Fremdwährungsausleihungen in Österreich (inklusive Unternehmen) sank zur Jahresmitte gegenüber März 2007 um 2,6 oder 5,1 Prozent auf 48,7 Milliarden Euro deutlich - und das zum Höhepunkt der Bausaison. Der stärkste Rückgang war nämlich bei Privaten zu verzeichnen; das Kreditvolumen sank um 1,4 auf 33,1 Milliarden Euro. Vor allem die Kredite in Schweizer Franken waren, wie die Oesterreichische Nationalbank berichtete, mit einem Minus von 2,7 Milliarden Euro (oder 5,7 Prozent) rückläufig. Hier wurden verstärkt Konvertierungen in den Euro verzeichnet. Auch die Ausleihungen in japanischen Yen gingen deutlich zurück, nämlich um 9,9 Prozent oder 0,2 Milliarden Euro.
Tschechische Krone als neuer Darling?
Dafür stiegen Kredite in bisher nicht verwendeten Währungen deutlich an. Eine Wachstumsdynamik (plus zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal oder plus 75 Prozent gegenüber Dezember 2006) wurde bei den Ausleihungen in sonstigen EU-Währungen, insbesondere bei den Tschechischen Kronen, beobachtet, deren Ausleihungen bereits 600 Millionen Euro, also das Dreifache der Ausleihungen in Yen, ausmachen.
Die Fremdwährungsfinanzierung bleibt der Liebling der Häuslbauer. 68,9 Prozent (22,8 Milliarden Euro) aller Fremdwährungs-Ausleihungen an private Haushalte entfielen auf den Verwendungszweck „Wohnbau".