Viele Kredit-Träume platzen

Steigende Zinsen, weniger verfügbares Einkommen: Kreditnehmer müssen den Gürtel enger schnallen.

Was haben die stark gestiegenen Preise für Lebensmittel und Treibstoffe mit Wohnbau- oder Konsumkrediten zu tun? Sehr viel, müssen jene feststellen, die sich Geld von Banken borgen wollen. Durch die gestiegenen Preise und Mieten bleibt weniger frei verfügbares Einkommen als früher übrig. Und damit auch weniger Geld für Kreditraten. Das lässt mögliche Kreditsummen schrumpfen.

Josef Schmidinger, Chef der s Bausparkasse, rechnet vor: „Den österreichischen Haushalten stehen monatlich 150 bis 200 Euro weniger zur Verfügung als noch vor zwei Jahren." Gleichzeitig seien aber die Baukosten (im mehrgeschoßigen Wohnbau) um sieben bis acht Prozent pro Jahr gestiegen. Dazu kommen die gestiegenen Zinsen.

Kleiner die Auswirkung allein durch höhere Baukosten und Zinsen: Mit jener Kreditsumme, mit der man vor zwei Jahren noch eine 100-Quadratmeter-Eigentumswohnung finanzieren konnte, reicht heute nur noch für 73 Quadratmeter. Und auch das wird für viele Kreditnehmer ein Wohntraum bleiben. Denn bei sinkenden verfügbaren Einkommen sind hohe Kreditsummen gar nicht mehr leistbar. „Wir müssen den Leuten sagen, dass sie sich kleinere Wohnungen nehmen müssen", erzählt Schmidinger aus der Praxis.

Der Bausparkassen-Chef betont einen Vorteil von Bausparkrediten: Deren Verzinsung kann nicht über sechs Prozent steigen. Damit das Bauspar-System auch weiterhin genügend Geld für Finanzierungen auftreiben kann, fordert Schmidinger, dass die maximal geförderte Bauspareinlage angehoben wird. Eine Erleichterung für Wohnungskäufer wäre auch eine Anhebung der Wohnbauförderung, die seit 1996 eingefroren ist. Diese zählt zu den Eigenmitteln und verbessert so die Bonität und die finanziellen Möglichkeiten des Kreditnehmers.

Manche Geldinstitute versuchen, mit guten Zinsen mehr Spareinlagen anzulocken, um so zu mehr liquiden Mitteln zu kommen und bei der Kreditvergabe nicht auf die Bremse steigen zu müssen, ist aus Bankenkreisen zu hören. Das kann Manfred Aschauer, Vertriebschef der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, für sein Institut nicht bestätigen. Auch Bawag-Sprecher Thomas Heimhofer betont, dass Bawag/PSK über genügend Liquidität verfügt. Genug Geld, um lautstark für den „Superschnell-Kredit" zu werben.

Wie sehr sich die Zinslandschaft verändert hat, ist aber auch an diesem Produkt abzulesen: Im April, als der schnelle Kredit auf den Markt kam, lag die Nominal-Verzinsung (ohne Spesen) für die beste Bonitätsstufe bei 3,99 Prozent. Jetzt gibt es diesen Kredit ab 4,49 Prozent nominal, was einer Effektivverzinsung von rund 5,5 Prozent entspricht. Für schlechtere Bonitäten sind es natürlich mehr.

„Die Kreditzinsen sind jetzt um 0,5 Prozentpunkte höher als vor einem halben Jahr", so Aschauer.

Und die nächste Erhöhung steht bevor: Aschauer rechnet damit, dass beim nächsten Termin (bei der RLB Ende Juni), zu dem die Zinsgleitklausel „zuschlägt", die Zinsen für laufende Kredite um weitere 0,5 Prozentpunkte angehoben werden.