Verfasst von Admin am 31. Juli 2008 - 22:13.
An Österreichs Banken ging der Hurricane der Subprime-Krise zwar vorbei, die Ausläufer verspüren sie bekanntlich sehr wohl. Die Banken trauen sich weiterhin gegenseitig nicht über den Weg und verleihen einander nur zu deutlich höheren Zinssätzen als früher Geld. 0,5 bis 0,75 Prozent an Zusatzkosten kostet das, rechnen Experten.
Dies gilt allerdings nur für Banken, die ihre Mitbewerber als Geldquelle auch wirklich brauchen. Die österreichischen Banken - und damit auch ihre Kreditnehmer - nützen dazu bei der Wohnungsfinanzierung gerne eine günstigere und sichere Alternative namens Wohnbaubankanleihe. Praktisch alle österreichischen Banken nutzen sie mittlerweile. Da sie sowohl frei von KESt als auch von Mogelpackungen (namens ABS, CDO usw.) sind, erfreuen sie sich bei Anleihenkäufern noch größerer Beliebtheit als vorher, und das hilft letztendlich allen Kreditinteressenten.
Finanzierungsquelle Wohnbauanleihe
Auch die Bausparkassen brauchen dieses Geld mittlerweile, da das Einlagengeschäft nach der Niedrigzinsphase gelitten hat und gleichzeitig die Nachfrage nach Finanzierungen wieder steigt, seit der Schweizer Franken unattraktiver geworden ist. Gab es Ende März 2007 noch drei Milliarden mehr an Einlagen als Ausleihungen (17,5 gegenüber 14,5 Milliarden Euro), so ist dieser Polster in nur einem Jahr auf 1,2 Milliarden geschrumpft (16,9 zu 15,7 Milliarden Euro). Auch zwischen den Bausparkassen sollte man vergleichen: Wüstenrot und ABV gelten derzeit als besonders liquid. Ähnliches gilt auch für die Landeshypos, die sich neben den altbekannten Pfandbriefen ebenfalls über die Wohnbaubankanleihen refinanzieren.
Trotzdem ist's teurer geworden
All das sind grundsätzlich gute Nachrichten für Häuslbauer und Wohnungskäufer, denn der Finanzierungsfluss ist nicht stark eingeschränkt wie in den USA oder einigen westeuropäischen Staaten, in denen die Banken an ihren Wunden lecken.
Trotzdem ist es heute teurer und schwieriger als vor einem Jahr, eine Finanzierung für eine Immobilie zu bekommen:
- Höhere Zinsen. Der Drei-Monats-EURIBOR, das beliebteste Zinsenmaß (siehe Tabelle "Hypothekardarlehen Vergleich"), ist heute rund 0,75 Prozent höher als vor einem Jahr und 1,75 Prozent höher als vor zwei Jahren.
- Höhere Aufschläge. Dafür machen sie neben den höheren Kosten der Refinanzierung (siehe oben) auch „Basel II" verantwortlich, das ihnen mehr Aufwand bei der Auswahl der Kreditnehmer und laufende Kontrollen auferlegt.
- Teurerer Franken. Die Finanzierung im Schweizer Franken ist ähnlich stark gestiegen, auch die Lieblingswährung der österreichischen Kreditnehmer ist also kein Ausweg mehr. Zudem werden die Zugangsmöglichkeiten zum Franken-Kredit laufend erschwert, und zwar über die Einschätzung der Bonität der Kreditwerber.
Warum manche doch billiger sind
In der Erhebung sind die aktuellen Kreditkonditionen von 20 führenden österreichischen Geldinstituten zusammengefasst, und die großen Unterschiede sind sofort ersichtlich. Gemessen an der Monatsrate liegen bei 100.000 Euro zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot derzeit 67 Euro!
Woran liegt's, und was sollte man als Kreditnehmer da beachten? Zum einen geht es um die Basiszinssätze, an die die Kreditzinssätze geknüpft werden. Hier sollte man im Moment eher langfristige Zinsindikatoren bevorzugen, was in der Praxis die Sekundärmarktrendite (SMR, Durchschnitt aller derzeit im Umlauf befindlichen Anleihen) ist. Die SMR ist derzeit nicht nur niedriger als der EURIBOR (4,3 Prozent Ende Mai), sondern auch stabiler. Während die EZB angekündigt hat, wegen der Inflationsgefahr die kurzfristigen Zinsen weiter anzuheben, sollte sich bei den längerfristigen Zinsen weiterhin wenig tun.
Die SMR ist sogar noch niedriger als im Juni 2007, was auch erklärt, warum einige Banken heute günstigere Zinssätze anbieten als vor einem Jahr. (Die SMR findet man auf der Web-Seite der Österreichischen Nationalbank unter www.oenb.at, „Rund ums Geld", „Zinsklauseln", „Zinsverlauf".)
Auf Aufschläge achten
Einige Banken haben wegen der erwähnten höheren Refinanzierungskosten auch den Aufschlag erhöht, den sie ihren Kunden verrechnen, andere wiederum nicht. (Wer den Kundenaufschlag genau wissen will, nimmt sich einfach die Tabelle "Hypothekardarlehen Vergleich" her und vergleicht den angegebenen Zinsenindikator und die Höhe des Nominalzinssatzes, der Drei-Monats-EURIBOR stand bei Redaktionsschluss bei 4,95, der Sechs-Monats-EURIBOR bei 5,12 Prozent.)
„Wir haben unsere Aufschläge noch nicht erhöht und schlucken das", erklärt Hans Moll von der S-Immofin, „andere Banken geben das bereits voll weiter." Der Markt funktioniert also, und Liquidität für günstige Angebote ist weiter da. Offensichtliche Kampfkonditionen haben derzeit beispielsweise einige oberösterreichische Banken (siehe Tabelle "Hypothekardarlehen Vergleich"). Alle Kosten und Spesen gesenkt hat auch die Easy-bank.
Wieder seine alte Bedeutung gewonnen hat mittlerweile die sechsprozentige Zinsenobergrenze der Bausparkassen. „Bei uns gibt's das wie immer gratis, wer sich zu einem Hypothekendarlehen einen Zinsen-Cap kauft, zahlt dafür derzeit 0,8 Prozent", so Raiffeisen-Bausparkassen-General Erich Rainbacher.
Vorsicht vor Lockangeboten!
Leider nicht auszurotten sind Lockangebote der Banken, die für das erste Jahr oder für die ersten 18 Monate eine verführerisch niedrige Fixverzinsung anbieten. Aber nur, um danach den Hammer mit hohen Zinsenaufschlägen fallen zu lassen. „Bei uns gibt es das nicht, wir arbeiten mit fairen und transparenteren Konditionen", lässt sich Rainer Wiehalm von der Landeshypo Niederösterreich gerne beim Wort nehmen.
Hypothekardarlehen aktuell: Zwischen 5,1 und 6,62 Prozent Effektivverzinsung
Euro-Hypothekardarlehen mit variabler Verzinsung