Kredite werden zu kostbarem Gut

Wegen der Kreditkrise und Basel II verleihen Banken ihr Geld nicht mehr leichtfertig an Privatkunden. Bei den Zinsen kann es sogar einen Unterschied machen, ob man sich Geld in der Stadt oder auf dem Land ausborgt.

Die Vergabe von Krediten ist in Osterreich, unterstützt auch durch die Finanzkrise, deutlich strenger geworden: „Bei meinem letzten Fall reichten der Bank nicht einmal zwei Wohnhäuser zur Besicherung von 120.000 Euro Kreditsumme", klagt Sabine Joch von der Wiener Coopfinanz. „In letzter Zeit mehren sich solche Probleme."

Bei Selbstständigen sind sowohl Euro- als auch Fremdwährungsfinanzierungen nur noch sehr schwer durchzubekommen, meint Joch: „Im Konkreten werden zu viele Sicherheiten verlangt - man hat den Eindruck, dass nur noch Personen Kredite bekommen, die eigentlich keinen brauchen."

Joch vermutet, dass diese neue Knausrigkeit der Banken mit dem aktuellen „credit crunch" zusammenhängt: „Im Rahmen der neuen Bestimmungen von Basel II, die viele Banken bereits anwenden, habe ich so etwas noch nicht erlebt. Doch auch dies hat die Kreditvergabe erschwert - die Richtlinien werden von oben her immer strenger", erklärt die Finanzmaklerin.

Basel II schränkt ein

Der Erfinder der Fremdwährungsfinanzierung in Österreich, Johann Massenbauer, meint, die Vergaberichtlinien der Banken hätten sich schon vor einem Jahr zuungunsten der Kreditwerber verschoben: „Ein Unternehmer bekommt einen Kredit nur mehr, wenn er quasi die Bank auch kaufen könnte - die Banken berufen sich gerne auf Basel II, obwohl dies erst 2009 in Kraft tritt."

Vor allem Klein- und Mittelbetriebe würden, so Massenbauer, gerne unter Druck gesetzt: „Großen Unternehmen rät man gleich zum Begeben von Anleihen."

An den Zinssätzen hätte sich durch die Kreditkrise generell nichts geändert, die Zinsen seien dadurch auch nicht gestiegen: „Die Zinsen für einen Euro-Immobilien-Kredit liegen bei guter Bonität derzeit bei 5,75 Prozent, im besten Fall sind auch 5,5 Prozent möglich." Großbanken verlangen von Unternehmen sogar 9,375 Prozent Zinsen für eine Euro-Finanzierung: „Unternehmen werden sowieso kritisch betrachtet." Der Experte rät zu einem Bankwechsel: „Dann gibt es den gleichen Kredit für 5,75 Prozent."

Technik versus Mensch

Den Grund für die Verschlechterung bei der Kreditvergabe ortet Massenbauer in der zunehmenden Technisierung der Banken: „Es entscheidet der Computer, nicht mehr der Mensch. Doch ein Risk-Manager sieht nie einen Kunden. Aber es kommt auch darauf an, ob der Risk-Manager die Verkäufer im Griff hat oder umgekehrt." Massenbauer fährt schwere Geschütze auf: „Die Kleinen werden mit Vorschriften überhäuft und gequält, während die Großen Milliarden unkontrolliert und ungestraft verpulvern - sonst hätten wir die aktuelle Krise nicht!"

Besonders in wirtschaftlichen Randgebieten würden die Uhren nochmals anders gehen, hält Massenbauer fest: „Der Normalbürger bekommt einen Konsumkredit für 6,25 in der Stadt, im Waldviertel beispielsweise kann der Zinssatz aber satte 6,75 Prozent ausmachen." Den Grund für diese Ungleichbehandlung ortet der Fachmann für Finanzierungen in fehlender Konkurrenz, gerade in ländlichen Gebieten: „Es lohnt sich in solchen Fällen, der Hausbank den Rücken zu kehren, denn wenn Probleme auftauchen, wird man sowieso unter Druck gesetzt."

Hoffen auf fremde Währung

Aktuell, so Massenbauer, wären Fremdwährungen für einen Einstieg wieder interessant: „Die Zinsen sind günstig, und der Franken ist gegenüber dem Euro wieder gestiegen." Der Yen kostet auf drei Monate 1,66 bis 2,67 Prozent, der Franken auf drei Monate 3,64 bis 4,64 Prozent (die exakte Höhe ist von der Kreditsumme und der Bonität abhängig).

Die Arbeiterkammer rät bei Fremdwährungskrediten jedoch zu Vorsicht. Man müsse sich wirklich gut beraten lassen, Zinsen und Währungen im Auge behalten und auch darauf achten, wie sich der Tilgungsträger entwickelt.