Verfasst von Admin am 9. November 2011 - 21:48.
Man kann alles auch positiv sehen: Die Euro-Krise und das prolongierte niedrige Zinsniveau helfen zumindest allen Häuselbauern und solchen, die es werden wollen. Schnell einsteigen kann man da nur raten!
Jedes Ding hat zwei Seiten. Während die Anleger derzeit nicht so recht wissen, wo sie ihr Geld parken sollen, lebt sich's als Kreditnehmer bis auf Weiteres paradiesisch. So lange man, wohlgemerkt, über eine gute Bonität verfügt.
Denn während man über lange Jahre für einen Hypothekarkredit effektiv um die sechs Prozent hinlegen musste, kommt man derzeit mit etwa drei bis 4,32 Prozent effektiv weg, wie der aktuelle Kreditvergleich zeigt. Und das, wohlgemerkt, noch unverhandelt. Verfügt man über überdurchschnittliche Bonität und/oder lässt sich von einem gewieften Kreditmakler begleiten, kann man die Konditionen häufig noch weiter verbessern. Weshalb es sich auch bezahlt macht, mehr als ein Kreditangebot einzuholen.
Ab 2,8 Prozent effektiv - nur wie lange?
Doch wie sieht es hier in Zeiten des Niedrigzinses wirklich aus?
Bei den variabel verzinsten Hypothekarkrediten besonders schön. Die Spanne für einen auf 20 Jahre laufenden Hypothekarkredit bei ausreichender Bonität liegt derzeit zwischen 2,8 Prozent und 3.9 Prozent Effektivzinsen.
Natürlich gilt dieser Zinssatz nur bis zur nächsten Anpassung an den Drei- bzw. Sechs-Monats-EURIBOR. Doch da die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins bis ins nächste Jahr hinein ziemlich wahrscheinlich nicht anfassen wird, sollte es noch ein Weilchen ähnlich niedrig weitergehen.
Fixzinsen: ab 3,1 Prozent effektiv
Zinsprognosen sind in der derzeitigen labilen Wirtschaftslage wie Kaffeesudlesen. Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, kann eine Fixzinsperiode anpeilen. Eine Bindung von drei bis fünf Jahren bieten derzeit die meisten Banken an, zehn Jahre sind - da hier natürlich das Risiko für die Bank größer ist -schon seltener. Kunden guter Bonität sollten bei Interesse dennoch anfragen.
Wie sinnvoll eine nur dreijährige Bindung ist, sei allerdings dahingestellt. Einige Banken scheinen jedenfalls davon auszugehen, dass die Gefahr, dass der Zins in den nächsten drei Jahren steigt, eher gering ist. Sonst ließe sich kaum erklären, dass sie bei der dreijährigen Fixzinsperiode kaum teurer sind als bei der variablen Verzinsung.
Bausparkassen: gutes Mittelfeld
Verglichen mit den Bankkonditionen bewegen sich die Bausparkassen zurzeit im guten Mittelfeld. Standard ist bei Bauspardarlehen eine kurze Fixzinsperiode zu Beginn (häufig 18 Monate), danach folgt eine variable Verzinsung, die ähnlich wie bei den Banken an einen bestimmten Indikator gebunden ist.
Einen unschätzbaren Vorteil weisen Bauspardarlehen allerdings auf, wenn man sich vor steigenden Zinsen fürchtet: Denn die variable Verzinsung der Folgejahre schwankt stets in einem Bereich zwischen mindestens drei Prozent und maximal sechs Prozent pro Jahr. Selbst wenn die Zinsen also wieder mal davonziehen sollten, muss man sich nicht um Extra Absicherungen in Form von Zinscaps etc. kümmern.
Sieht man sich die effektive Gesamtverzinsung an, liegen die Bauspardarlehen - wenn man den Wert des derzeit aktuellen "Best Case" (Mindestzinsen in Höhe von drei Prozent in der variablen Periode) ansieht, etwas teurer als die derzeit günstigsten Bankkredite. Allerdings mit dem Vorteil, dass im Falle steigender Zinsen der Zinscap sozusagen schon mit eingebaut ist.
Zwei wichtige Spezifika haben Bauspardarlehen noch: Pro Person können nur 180.000 Euro (mit Partner 360.000) vergeben werden, finanziert werden können nur Bau-, Wohn- und Sanierungsvorhaben sowie bestimmte Bildungsmaßnahmen bzw. Pflegemaßnahmen und Darlehen, die höher als 25.000 Euro sind, müssen stets grundbücherlich besichert werden.
Ohne Spesen nichts gewesen
Nicht vergessen sollte man bei hypothekarisch besicherten Krediten die leidigen Gebühren: Die Kontoführung kostet meist 50 bis 100 Euro aufwärts pro Jahr, die Auskunft beim Kreditschutzverband rund 16 Euro, Schätzkosten 350 Euro aufwärts, je nach Notar gibt es Beglaubigungskosten von rund 200 Euro und mehr. Das Grundbuchsgesuch kostet gut 60 Euro, die Eintragungsgebühr im Grundbuch zwischen 45 und 56 Euro, der Grundbuchsauszug zehn bis 35 Euro, und die Eintragungsgebühr des Pfandrechts schlägt mit satten 1.200 Euro zu Buche - macht insgesamt rund 2.000 Euro. Dazu kommen noch die Bearbeitungsgebühren der Banken von einem bis zwei Prozent des Darlehens.
Und das ist noch nicht alles: Fordert die Bank eine Kreditrestschuldversicherung oder ein noch umfangreiches Versicherungspaket, summieren sich diese Kosten dazu, und wird mit dem Kredit eine Immobilie frisch erworben, will auch der Makler von etwas leben (üblich sind drei Prozent des Kaufpreises), schließlich wird in diesem Fall auch noch Grundsteuer fällig.
Flexible Kleinkredite
Konsumkredite sind derzeit für einen Effektivzins von rund fünf bis sechs Prozent jährlich zu bekommen (für einen 20.000-Euro-Kredit bei einer Laufzeit von fünf Jahren).
Die höheren Kosten begründen sich einerseits mit den meist schlechteren Sicherheiten (eine Eintragung ins Grundbuch etwa ist hier nicht möglich), andererseits mit den anteilig höheren Bearbeitungskosten aufgrund der kleineren Ausleihungssummen.