Günstige Kredite, so günstig wie schon lange nicht

Die Durchschnittszinssätze aller Banken zeigen: Konsumkredite liegen derzeit schon unter fünf Prozent nominell, auch Hypothekar- und Unternehmenskredite waren seit Beginn der Aufzeichnungen nie günstiger.

Wie rasch die Zinssätze wieder steigen werden, darüber sind sich die Experten derzeit noch uneinig - zwischen 0,89 und 2 Prozent p.a. pendeln derzeit die Einschätzungen zum Stand des Drei-Monats-EURIBOR Ende 2011. Sicher ist nur, so günstig wie derzeit sind Kredite noch selten zu haben gewesen. Während Hypothekarkredite Ende der 1990er-Jahre nur mit um die sechs Prozent nominal (effektiv kommen meist noch 0,3 bis 0,4 Prozent dazu) zu haben waren, erhielt der Durchschnittshäuslbauer im Herbst 2010 seinen Euro-Kredit um wohlfeile 2,63 Prozent (effektiv 3,12)!

Und das sind nur die Durchschnittswerte. Denn da und dort kommt man aktuell noch um einiges günstiger weg, wie der aktuelle Kreditvergleich beweist. Die Unterschiede sind teilweise riesig. Experten raten als Erstes ein Angebot der Hausbank einholen. Von dort kommt man momentan meist mit Angeboten über drei oder dreieinhalb Prozent zurück. Mit den eingeholten Alternativangeboten liegt man am Ende meist bei 2,75 Prozent. Denn, noch zwei Alternativangebote einzuholen zahlt sich stets aus, und die Hausbank würde erfahrungsgemäß nur selten als Bestbieter aussteigen.

Kreditzinssätze: Was Hypothekar-, Konsum- und Unternehmenskredite über die Jahre kosten Günstige Kredite Kreditzinssätze

Dabei geht es hier gar nicht um Zinskonditionen alleine. Auch bei der Frage, wie viel Blankoobligo (unbesichertes Fremdkapital) dadurch gewährt wird oder ob man überhaupt die erwünschte Kredithöhe aufnehmen darf, unterscheiden sich die Banken gewaltig.

Günstige Kredite ab 2,3 Prozent effektiv!

Zur Zeit sind für Kunden mittlerer bis sehr guter Bonität aktuell Effektivzinssätze drin, von denen man bis vor Kurzem nur träumen konnte: ab 2,3 Prozent (für Topkunden).
Und auch die Bausparkassen lassen sich nicht lumpen: Die Zwischendarlehen für die ersten 18 Monate gibt es derzeit (allerdings bloß nominal!) ab 0,9 Prozent, die Effektivzinssätze über 20Jahre liegen 3,1 Prozent aufwärts.

Stets muss dabei aber betont werden: Diese Konditionen gelten nur für die besten Bonitäten und bei ausreichender Besicherung, und es handelt sich - da man es hier mit variablen Zinssätzen zu tun hat - nur um eine Momentaufnahme. Im nächsten Jahr könnte der Zinssatz schon um ein halbes Prozent oder mehr zulegen.

Wie steht's mit dem Fixzins?

Wer lieber auf Nummer sicher geht, könnte sich die Vereinbarung einer Fixzinsperiode überlegen. Allerdings: Zehnjährige Fixzinsperioden vergeben die Banken derzeit meist nicht allzu gerne. Denn für Banken sind Fixzinskredite ein schlechtes Geschäft geworden: Wegen der neuen Verbraucherkreditrichtlinie (gilt seit Juni 2010) dürfen sie bei Fixzinskrediten nur noch maximal eine Vorfälligkeitsentschädigung von einem Prozent des getilgten Kreditvolumens verrechnen. Früher war da um einiges mehr drin.

Kurze Fixzinsperioden sind derzeit sowieso kontraproduktiv: Man zahlt so in den nächsten zwei, drei Jahren, in denen die Zinsen wohl noch einigermaßen niedrig bleiben, einen relativ hohen Fixzins, und sobald die Zinsen mutmaßlich erst richtig bergaufgehen, ist der Schutz auch schon wieder vorbei. Ein Kompromiss wäre eine fünfjährige Fixzinsperiode, die derzeit auch nicht alle Banken anbieten: Im Moment zahlt man bei mittlerer Bonität zwischen 3,875 Prozent und ab 4,875 fix für die ersten fünf Jahre, was um rund zwei Prozent mehr Nominalzins bedeutet, als man im Moment auf einen gänzlich variablen Kredit bezahlt.

Zins-Caps und Spezialangebote

Wer sich längerfristig - das heißt auch in zehn oder 15 Jahren - gegen hohe Zinsen absichern will, ist mit Zins-Caps wohl besser beraten. Das Gleiche gilt bei einem bereits laufenden Euro-Kredit mit günstigen Konditionen. Wer hier eine Zinsabsicherung vornehmen möchte, sollte jetzt keinesfalls in einen Fixzinskredit oder ein Bauspardarlehen umschulden, sondern aus Kosten- und Flexibilitätsgründen (weitere Partizipation an niedrigen Zinsen) einschlägige Zins-Caps bevorzugen.

Stichwort Laufzeit: Während bei den meisten Banken bei 30 Jahren Laufzeit Schluss ist, kann man bei einigen Banken auch auf maximal 40 Jahre seinen Hypothekarkredit abschließen. Das ist für manche gut, weil die Raten leistbarer werden und erst so die passende Kredithöhe aufgenommen werden kann. Allerdings nimmt mit längerer Laufzeit der Zinsendienst überdimensional zu, man zahlt also unterm Strich weit mehr zurück als bei einer um fünf oder zehn Jahre kürzeren Laufzeit. Als Höchstalter gilt bei den meisten Banken übrigens das 70. bzw. 75. Lebensjahr.

Bausparkassen: Zins-Cap schon eingebaut

Wer sich über künftig steigende Zinsen sorgt, sollte Bauspardarlehen nicht außer Acht lassen. Bausparkassendarlehen bieten stets einen Nominalzinskorridor zwischen drei und sechs Prozent. Damit erspart man sich den Abschluss von Zusatzinstrumenten zur Zinsabsicherung. Zusätzlich zum sozusagen "eingebauten Zins-Cap" bieten die Bausparkassen auch eine Fixzinsperiode innerhalb der ersten 18 Monate mit derzeit besonders niedrigen Zinsen (0,90% - 2,25%), effektiv wird es natürlich etwas mehr. Im Anschluss daran kann man häufig eine zusätzliche Fixzinsperiode über zwei Jahre abschließen, sie macht ungefähr 3,5 Prozent fix aus. Ob sich das derzeit wirklich auszahlt, ist allerdings fraglich.

Allerdings dürfen Bausparkassen nicht alles finanzieren, und die Darlehen pro Person sind auf 180.000 Euro (bzw. 360.000 Euro für Paare) begrenzt.