Fremdwährungskredite für Wohnraumfinanzierung

Trotz aller Beliebtheit der Fremdwährungsfinanzierung - nicht jedem ist der genaue Ablauf geläufig: Bei einem Fremdwährungskredit wird die gesamte Kreditsumme in eine ausländische Währung, meist japanischer Yen oder Schweizer Franken, konvertiert. Sie schulden als Kreditnehmer der Bank also nicht einen Euro, sondern einen fixen Betrag in ausländischer Währung.

Finanztechnisch gesehen handelt es sich dabei um einen Leerverkauf - Sie verkaufen eine gewisse Summe der ausländischen Währung, erhalten dafür Euro und verpflichten sich, die Summe zur Tilgung der Schuld in ausländischer Währung nachzukaufen.

Vorteil der Fremdwährungsspekulation (und darum handelt es sich bei einem FX-Kredit - das muss jedem bewusst sein!):

Die Zinsen sind - oft sogar deutlich - niedriger als im Euro. Einen FX-Kredit sollte aber angesichts der Risken nur der aufnehmen, der sich auch einen Euro-Kredit leisten könnte!

Besichert wird mit einer Immobilie - entweder Haus oder Wohnung. In Einzelfällen werden von manchen Banken auch Finanzierungen ohne Immobilienbesicherung möglich, dafür muss das Einkommen dann aber klar oberhalb der 6.000-Euro-Marke liegen.

Keine Chance ohne Risiko

Genau in den erwähnten Währungsschwankungen liegt die Chance, mit dem Kredit zu verdienen: Fällt die Währung, in der man den Kredit aufgenommen hat, zum Euro ab, verdient man damit Geld, sofern man den Gewinn realisiert und die Währung wechselt. Aber Achtung, wer in den Euro zurückwechselt, kann mit dem erzielten Gewinn ins Visier der Finanz geraten, die liebend gerne ihren Teil davon abzwacken möchte!

Bei privaten Kreditnehmern ist der Wechsel zurück in den Euro nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Wie es nach der geplanten Vermögenszuwachssteuer wird, ist unklar - die Finanz hat aber schon ihre Begier nach 25 Prozent der jährlichen Währungsgewinne angemeldet: „Das hat sie bei FX-Krediten schon des Öfteren getan, meist aber erfolglos, weil man den privaten Häuslbau aus politischen Gründen nicht umbringen will", meint Fremdwährungsexperte Gerhard Massenbauer.

Die Gefahr beim FX-Kredit liegt im Anstieg der Kreditwährung zum Euro - denn dann steigt natürlich auch die Schuldenlast. Daher: Möglichst nur bei einem Höchststand der ausländischen Währung (oder so nah wie möglich daran) zum Euro einsteigen.

Der Kredit ist endfällig, das heißt, Sie müssen während der Laufzeit nur die Zinsen zahlen; die gesamte Summe wird bei Kreditende fällig. Vorteil: Die Inflation „frisst" die Schuld mit der Zeit auf. Mit einem sogenannten „Tilgungsträger" wird eine Kreditsumme über die Jahre aufgebaut. Problem: Die meisten Tilgungsträger brachten aufgrund der Börsenkrise und schwankender Zinsen nicht jene Verzinsung, mit der sie ursprünglich berechnet worden waren. Das betraf vor allem die früher so beliebten Er- und Ablebensversicherungen, deren Auszahlungsbeträge oft deutlich unter der Berechnung zurückblieben.

Ungeliebter Yen

Der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in eine fremde Währung ist nicht immer leicht zu finden - gerade der japanische Yen ist ein vortreffliches Beispiel dafür: Rund vier Jahre lang haben fast alle Analysten den Fremdwährungskreditnehmern geraten, doch bitte vom Yen in den Franken zu wechseln oder nicht in den Yen einzusteigen, weil bei der japanischen Währung eine akute Aufwertungsgefahr bestünde. Aber: Der Yen hat einfach nicht getan, was alle von ihm erwartet haben - ganz im Gegenteil: Er wurde zum Euro sogar noch etwas schwächer und klopfte noch vor wenigen Monaten an der Marke von 166 Yen pro Euro, bevor er sich auf 152 erhob.

Yen zum Euro

Yen zum Euro

Seit vier Jahren geht es mit dem Yen im Vergleich zum Euro bergab. Das freut diejenigen, die ihre Kredite in der schwächelnden japanischen Währung aufgenommen haben

Yen wird künstlich niedrig gehalten

Der naheliegende Hintergrund für dieses „Fehlverhalten" der Währung leuchtet ein - der Yen wird von der Bank of Japan offenbar niedrig gehalten, um dem weiter schwachen Pflänzchen der Konjunktur in Japan nicht vollends den Garaus zu machen, denn ein starker Yen macht die Exporte schwieriger. Offiziell gab es zwar seit rund vier Jahren keine Interventionen mehr, doch dürfte auf „inoffiziellem" Weg alles unternommen worden sein, um den Yen im Zaum zu halten. Die schwache Wirtschaft ist auch der Grund, warum die Yen-Zinsen so attraktiv sind - sie liegen bei rund einem Prozent.

Und für die japanische Wirtschaft sieht's auch jetzt nicht so gut aus: „Die Bank of Japan äußerte sich hinsichtlich der japanischen Konjunkturaussichten vorsichtiger; sie geht davon aus, dass die Wirtschaft vorerst langsamer wachsen werde", meint Valentin Hofstätter vom Raiffeisen Research. „Dies ist sogar noch ein optimistisches Szenario, denn aufgrund der schwachen Konjunkturdaten wäre auch eine Rezession denkbar. Angesichts der gegenwärtigen Risken für die japanische Wirtschaft wird man den Leitzins bis 2009 konstant bei 0,50 Prozent belassen."

Nachdem der Yen nach einigen freundlichen Aktientagen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar unter Druck kam, ist nun, so Hinteregger, die Zeit reif für eine Gegenbewegung: „Da wir weiter davon ausgehen, dass aus den USA im zweiten Quartal schlechte Nachrichten dominieren werden, was die Risikoaversion rasch wieder ansteigen lässt, nutzten wir kürzlich das hohe Niveau für eine neue Verkaufsempfehlung für dieses Währungspaar." RZB-Prognose für den Yen: 158 Yen pro Euro bis Jahresende und 157 bis März 2009.

Wenig gefährlicher Yen

Was den Yen nach oben getrieben hatte, waren die sogenannten „Carry Trades". Dabei wurde billiges Geld im Yen aufgenommen und zu höheren Zinsen oder in Aktien wiederveranlagt. Als die Aktienmärkte zusammenbrachen, wurden die Carry Trades wieder aufgelöst und die Leerverkäufe mit Yen-Käufen getilgt. „Mittelfristig sollte der Yen von der verminderten Risikobereitschaft profitieren. Für den Abbau von Carry Trades sprechen auch die bereits deutlich reduzierte Zinsdifferenz zu den USA und die noch kommende Reduktion zu Euro-Land", meint man daher im Treasury der Erste Bank.

Uta Pock vom Research der Investkredit sieht den Yen in den nächsten Monaten nicht stärker, im Gegenteil: „Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung im laufenden Jahr und der hartnäckigen Deflation, die - im Konzert mit der Hypothekenkrise - eine Fortsetzung der geldpolitischen Normalisierung verhindert, sollte sich der Yen zum Dollar spürbar abschwächen, die Dollar-Erholung zum Euro daher nur sehr abgeschwächt nachvollziehen."

Fremdwährungsexperte und Finanzanalyst Gerhard Massenbauer hält den Yen ebenfalls nur für mäßig gefährlich: „Steigen die Börsen, fällt der Yen - und umgekehrt. Solange aber die charttechnische Barriere bei 152 Yen pro Euro hält, ist von großen Bewegungen nicht die Rede. Sollten die Börsen in den nächsten Monaten aber kräftig korrigieren, ist ein Yen-Anstieg auf 140 ohne Weiteres möglich."

Massenbauer hält aktuell alle klassischen Fremdwährungen für attraktiv: „Ich denke aber, dass es in drei bis sechs Monaten wesentlich bessere Einstiegsopportunitäten geben wird. Spekulativ kann man auch auf die tschechische Krone setzen, die während der letzten Jahre einen spektakulären Anstieg hinter sich hatte und die ich für deutlich überbewertet halte."

Tschechische Krone ist überbewertet

Auch Raiffeisen-Experte Hofstätter hält die Nachbarwährung für überbewertet: „Die hartnäckige Stärke der Krone unterstützt unsere Erwartung, dass die tschechische Notenbank ihren Leitzinssatz für den Rest des Jahres unverändert bei 3,75 Prozent belassen kann. Wir haben schon wiederholt darauf verwiesen, dass uns Ausmaß und Intensität der Aufwertung der vergangenen Wochen und Monate überzogen erscheint und wir gehen nach wie vor von einer merklichen Korrektur, also einer schwächeren Krone zum Euro, in den kommenden Monaten aus." Bis September sind laut RZB Kurse bis 26,8 Kronen pro Euro möglich.

Wer mutig ist, kann also seinen Kredit in diese Währung wechseln und warten, dass sie fällt, was die Kreditsumme in Euro verringert. Der Nachteil dabei: Die Zinsen sind nicht viel billiger als beim Euro.

Uta Pock rät hingegen ganz klar von der Krone ab: „Sie ist keine Finanzierungswährung! Die tschechische Krone sollte ihren langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen, die Zinsen werden dort eher steigen als fallen, da die Inflation weit über dem Ziel der Zentralbank von drei Prozent liegt. Wachstum und Inflation werden dort noch über Jahre hinweg höher sein als bei uns, es ist daher mit höheren Zinsen und/oder einem stärkeren Wechselkurs zu rechnen!"

Schweiz steht für Stabilität

Da ein Kredit naturgemäß viel mit Sicherheit zu tun hat, war der Schweizer Franken für viele Kreditnehmer in den letzten Jahren das Mittel der Wahl - er galt als stabiler als der Yen, auch wenn die Zinsen deutlich höher waren. Der Franken neigte als Nebenprodukt der Euphorie an den Finanzmärkten zur Schwäche. Mittlerweile hat sich der Franken aber neu positioniert und gewinnt auch wieder Kontur als „Safe Haven"-Währung. Das soll auch so bleiben: „Der Franken wird sich weitgehend stabil halten, der Zinsvorteil aus Finanzierungssicht sollte etwas zurückgehen. Ein Wiederaufleben von Carry Trades wird dadurch aufgewogen", meint Investkredit-Expertin Pock.

Hofstätter (Raiffeisen) setzt ebenfalls auf den Franken: „Nachdem der Franken nach einigen freundlichen Aktientagen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar unter Druck kam, ist nun die Zeit reif für eine Gegenbewegung. Da wir weiter davon ausgehen, dass aus den USA im zweiten Quartal schlechte Nachrichten dominieren werden, was die Risikoaversion rasch wieder ansteigen lässt, haben wir das hohe Niveau beim Franken für einen Einstieg genutzt." Bis Dezember hält Hofstätter Kurse bis 1,63 für möglich, bis März 2009 könnten 1,61 Franken pro Euro „drin" sein.

Gerhard Massenbauer hält eine Korrektur des Franken bis 1,60 zum Euro für möglich: „Der Schweizer Franken hat in den letzten Wochen der Börsenerholung etwas Terrain verloren. Die Aufwertung im heurigen Jahr erreichte in der Spitze acht Prozent, was für den Franken wirklich viel ist." Sollte es bei 1,60 nicht weiter nach unten gehen, rechnet Massenbauer mit einem Anstieg des Franken zum Euro.

Weil also die allgemeine Risikoaversion zuletzt doch merklich abgenommen hat, erwartet man im Treasury der Erste Bank vorerst noch eine Schwächung des Franken: „Mittelfristig sehen wir den Franken aber fester gegenüber dem Euro. Wir gehen davon aus, dass der Franken über längere Zeit zwischen 1,50 und 1,60 Franken pro Euro pendeln wird, wobei der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Wechselkurs und der Richtung der Aktienmärkte mit Beruhigung der aktuellen Bankenkrise verschwinden sollte."

Fazit: Fremdwährungskreditnehmer, die auf Sicherheit setzen, könnten sich im Franken wohler fühlen.

Und was ist mit dem Dollar?

Der US-Dollar befindet sich - auch zum retourgerechneten Euro und zum alten Schilling - in einem jahrzehntelangen Abwärtstrend. Reifere Leser werden sich noch an Zeiten in den 50er-Jahren erinnern, als man für einen US-Dollar noch rund 40 Schilling bekam - heute wären es bloß noch 8,60 Schilling. Und weil FED-Chef Ben Bernanke die Zinsen nach dem Immo-Crash drastisch gesenkt hat und sie vielleicht noch auf 1,70 Prozent abrutschen lässt, stellt sich für FX-Kreditnehmer die Frage: „Warum nicht in den Dollar wechseln?"

Dieses Spiel könnte - zumindest in den nächsten Monaten - gefährlich sein: „Günstige Basiseffekte bei der Inflation und eine der US-Entwicklung nachhinkende Konjunkturabschwächung sollten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im zweiten Halbjahr und eventuell weitere 25 Basispunkte möglich machen", meint Uta Pock von der Investkredit. Aber: „Diese Aussicht dürfte den Dollar wieder stützen, sodass bis Jahresende wieder eine Vier nach dem Komma steht - also 1,44 per Jahresende. Diese Dollar-Erholung sollte sich 2009 fortsetzen und längerfristig irgendwo um die 1,30 bis 1,35 enden." Damit scheidet der Dollar als Kreditwährung aus -zumindest mittelfristig.

US-Dollar zum Euro

US-Dollar zum Euro

Obwohl es mit dem Dollar schon seit Langem bergab geht, könnte es gefährlich sein, sich jetzt in Dollar zu verschulden. Senkt FED-Chef Bernanke die Zinsen weiter, würde das nämlich dem Greenback unter Umständen sogar Auftrieb geben

Wer aber langfristig denkt und starke Nerven hat, könnte trotzdem in den Dollar wechseln. Die Wellen-Theorie des US-Wirtschaftswissenschafters Ralph Elliott, die für alle Finanzinstrumente Vorhersagen trifft, sagt bis 2011 zwei US-Dollar für einen Euro voraus. Klare Worte findet auch Gerhard Massenbauer zu der zukünftigen Entwicklung des Dollar: „Ich rechne zwar für die Monate Mai bis Oktober 2008 mit einer vorübergehenden Stärkung des US-Dollar - ab 2015 wird er aber quasi in die Wertlosigkeit versinken. Bis 2023 sind sogar vier Dollar für einen Euro möglich!"

FX-Finanzierung ist nicht für jedermann

Fremdwährungsfinanzierungen locken mit günstigeren Zinsen als Euro-Kredite und der Chance, die Kreditsumme ohne viel Aufwand zu verringern. Der Preis dafür: höherer Zeitaufwand. „Sie müssen Ihre Finanzierungswährung, deren Entwicklung und die Zinsbewegungen ständig überwachen, damit Sie auf negative Entwicklungen rasch reagieren können", erläutert FX-Experte Gerhard Massenbauer. „Wer mit wenig Ahnung viel riskieren will, sollte die Finger von einer FX-Finanzierung lassen.

Risken und Vorteile beim FX-Kredit

Risken

Währungsrisiko: Anstieg der Kreditwährung gegenüber dem Euro.

Zinsrisiko: Der Anstieg der Zinsen in der Kreditwährung ist stärker als in Euro.

Gefahr einer sinkenden Rendite bei Abdeckung durch Erträge aus einer Lebensversicherung oder einem Investmentfonds.

Vorteile

Oft deutlich niedrigerer Zinssatz als bei „normalen" Krediten im Euro-Bereich. Chance, dass die Kreditwährung schwächer wird.

Möglichkeit eines zusätzlichen Gewinns, falls die Performance eines Investmentfonds die Erwartungen übertrifft.