Fremdwährungskredite und -anleihen bei Risikoappetit: Yen für Kredite, Island-Krone zum Anlegen

Mutige Fremdwährungskreditnehmer, die nicht bis zum Anschlag verschuldet sind und von günstigeren Zinsen profitieren wollen, können sich langsam in den Yen wagen. Anleihenseitig ist die Island-Krone interessant.

Der Yen war lange Zeit bei Analysten ungeliebt - viele fürchteten einen starken Anstieg, der bis dato ausblieb. Jetzt lockt der Yen nicht nur mit günstigen Zinsen, sondern auch mit einem für Kreditnehmer vorteilhaften Umfeld. „Dem wichtigsten Wirtschaftsbarometer Japans, dem vierteljährlichen Tankan-Bericht der Bank of Japan (BoJ), zufolge hat sich das Geschäftsklima in den vergangenen Monaten kräftig eingetrübt und den niedrigsten Stand seit Ende 2003 erreicht", meint Manfred Hinteregger von der RZB. Soll heißen: „Der Yen sollte noch bis zur Jahresmitte von der hohen Risikoaversion des Marktes gut unterstützt bleiben, nachdem ihm in der zweiten Jahreshälfte ein Rückschlag droht. Unsere Wechselkursprognosen liegen bei 156 Yen pro Euro im Juni und 158 im Dezember." Damit können sehr mutige Fremdwährungs-Kreditnehmer vom Franken in den Yen wechseln und so rund die Hälfte der Zinsen sparen - das macht bei einem 100.000-Euro-Kredit mit Bankaufschlag von 1,25 Prozent immerhin rund 2.000 Euro Ersparnis aus (Switch-Gebühren bedenken).

Es lohnt sich für Fremdwährungskreditnehmer auch, den US-Dollar im Auge zu behalten: Die Zinsen sollten noch in diesem Jahr auf rund 1,7 Prozent gesenkt werden - sogar ein Prozent wird für möglich gehalten. Da der Dollar langfristig schwächer gehen wird - die Elliott-Wellen-Theorie sieht bis 2011 zwei US-Dollar für einen Euro -, kann sich hier ein Engagement durchaus lohnen. Achtung, erst in einer Erholungsphase des „Greenback" einsteigen! „Einen starken Dämpfer für den Euro zum Dollar wird es erst dann geben, wenn die EZB angesichts deutlicher Konjunkturabkühlung und zunehmender Sorge um das Finanzsystem auch in der Euro-Zone im weiteren Verlauf des zweiten Quartals auf Zinssenkungen umschwenkt - wahrscheinlich erst ein Szenario für die zweite Jahreshälfte 2008", meint RZB - Analyst Hinteregger. Auch Mark Nash vom Fondsriesen Invesco erwartet in den nächsten drei bis vier Monaten einen stärkeren Dollar um die 1,50 zum Euro.

Geldverdienen mit Fremdwährungsanleihen

Zum Veranlagen locken interessante fremde Währungen mit hohen Zinsen. Aktuell ist es die türkische Lira, die durch politische Probleme sehr geschwächt ist, meint Fremdwährungskredit-Guru Johann Massenbauer: „Vorsichtige Konsumenten warten noch etwaige zusätzliche Rückschläge ab. In Südafrika drücken Blackouts bei der Energieversorgung und Fehl verhalten der dortigen Nationalbank, die es bis jetzt verabsäumt hat, auf die hohe Inflation mit ausreichenden Zinsanhebungen zu reagieren, sowie die Sorge der Anleger über den neu gewählten Parteichef des ANC, Zuma, dem kein optimaler Ruf vorauseilt, auf die Stimmung und die Währung." Bei der Island-Krone, meint Massenbauer, hat die Isländische Nationalbank mit der Anhebung der Tageszinsen auf 15 Prozent richtig reagiert und so die Abschwächung gestoppt. Interessant sei auch der brasilianische Real.

Invesco-Mann Mark Nash erwartet aufgrund hoher Defizite kurzfristig weitere Schwächen bei türkischer Lira, Rand und ungarischem Forint, die Einstiege interessant machen könnten.

Welche Anleihen hohe Zinsen bringen

Johann Massenbauer setzt auf Anleihen der Europäischen Investmentbank in Real mit Fälligkeit 14. November 2008 und einem Kupon von 14,75 Prozent (ISIN: XS0234144490): „Die Rendite liegt hier bei 14,5 Prozent." Eine Anleihe der Europäischen Bank für Wiederaufbau in Island-Kronen (ISIN: XS0321679267) läuft bis 23. März 2009 und weist einen Kupon von 12,5 Prozent auf - Rendite 12,4 Prozent. „Eine Anleihe der Kommunalbanken in türkischer Lira mit einem Kupon von 20 Prozent (ISIN: XS0270760506) läuft bis 20. Oktober 2008 und bringt eine Rendite von 19,9 Prozent", erläutert Johann Massenbauer. „Und eine Anleihe der Europäischen Bank für Wiederaufbau in Rand (ISIN: XS0093664588) bringt einen Kupon von 15,25 Prozent, läuft bis 22. Jänner 2009 und rentiert mit 14,89 Prozent."

Tipp: Risikobewusste Anleger sollten schrittweise einsteigen und die Wechselkurse mit ihrer Bank vorher verhandeln!