Verfasst von Admin am 23. Dezember 2006 - 11:31.
Die Österreicher sind mit ihrer - von Bankenaufsehern nicht immer gern gesehenen - Vorliebe für Schweizer Franken extrem gut gefahren. Seit 1999 haben sie sich für Hausund Wohnungsfinanzierung in Summe rund zwölf Milliarden Euro (rund 150 Milliarden Schilling in "altem" Geld) erspart! Seit fünf Jahren hat kaum jemand Geld damit verloren und auch 2007 könnte noch einmal ein gutes Jahr für alle Fremdwährungsfnanciers werden.
Zum Gegenwert von rund 50 Milliarden Euro haben sich die Österreicher mittlerweile in Schweizer Franken verschuldet. Das ist nicht wenig, egal von welcher Seite man es auch betrachtet. Es sind 20 Prozent aller Schulden der privaten Österreicher an ihre Banken, und unter den Wohnungskäufern und Häuslbauern ist der Anteil noch um einiges höher. Und was den österreichischen Währungshütern noch mehr unter die Haut geht, ist die Tatsache, dass die Österreicher beim billigen Franken-Kredit-Kuchen besonders kräftig hinlangen, denn fast jeden zweiten Franken-Kredit im Euro-Raum hat ein Österreicher aufgenommen. Die Gefahr dabei: Steigt der Franken deutlich gegen den Euro (oder die Zinsen viel stärker als im Euro), würden sukzessive fast 400.000 Österreicher in Zahlungsschwierigkeiten kommen, und damit auch deren kreditgebende Banken. Und aus der schokoladigen Schweizer Kreditversuchung würde eine kleine oder größere hausgemachte "Schweizer-Käse-Krise" werden.
Aktuelle Musterrechnung für eine Fremdwährungsfinanzierung
Darlehen über 200.000 Euro, Finanzierung im Schweizer Franken, Rückzahlung über Tilgungsträger
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Eckdaten des Darlehens
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Laufzeit in Jahren
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20
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Währung
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CHF
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Zinssatz (in Prozent)
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3,13
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Kreditsumme netto (in EUR)
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200.000,-
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Gesamte Auszahlungssumme
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200.000,-
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Kreditsumme inkl. Nebenkosten
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207.100,-
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Tilgungsträger / Versicherung
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Prognose der Ablaufleistung aus Versicherung
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207.100,-
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Einmalige Finanzierungsnebenkosten
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1,00% Bearbeitungsgebühr
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2.071,-
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1,20% Pfandrechtseintragungsgebühr
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2.485,-
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0,20% Devisencourtage
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414,-
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3,20% der Kreditsumme
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6.627,-
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Laufende Finanzierungskosten
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Kreditzinsen
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547,-
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Devisencourtage
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1,-
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Prämie Versicherung
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600,-
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Gesamtbelastung (pro Monat)
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1.148,-
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1. Vergleich Euro-Kredit (4,875% inkl. Nebenkosten)
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206.700,-
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monatliche Rate exkl. Versicherung
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1.350,-
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2. Vergleich FW-Kredit mit monatlicher Rate (3,13%, inkl. Nebenkosten)
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207.100,-
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monatliche Rate exkl. Versicherung bei
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1.162,-
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Quelle: Massenbauer Finanzierungsberatung, Stand Mitte November 2006
Das Finanzierungsbeispiel geht von einem Kredit über 200.000 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren aus. Der Kredit ist endfällig, laufend bezahlt werden nur die Zinsen - gleichzeitig wird eine Lebensversicherung bespart, mit der nach 20 Jahren der Kredit einmalig zur Gänze zurückbezahlt werden soll und von der angenommen wird, dass sie jährlich einen Ertrag von vier Prozent bringt. Im Beispiel sind auch alle Nebenkosten der Finanzierung angeführt und mit einberechnet. Unten sind die Kosten eines Euro-Kredits und eines Fremdwährungsdarlehens mit laufender Tilgung zum Vergleich angeführt.
Allein, man muss den Österreichern mehrfach ein gutes Gspür zugestehen, wenn man sich die Entwicklung der letzten acht Jahre ansieht:
1. Die Österreicher haben sich in Summe mit Schweizer-Franken- und Yen-Finanzierungen rund zwölf Milliarden Euro an Schulden und deren Rückzahlungen erspart. Diese Ersparnis von 1.500 Euro pro Österreicher ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, denn statistisch gesehen blieben jedem Österreicher 15 Euro monatlich mehr im Börsel. Einfach so. Das ist mehr als alle Steuerreformen und Steuerreförmchen der letzten acht Jahre zusammen. Selten gab es auf der Welt eine Spekulation, an der praktisch alle verdient haben.
2. Die Österreicher sind auch mit ihrer Einschätzung der Zinsen- und Währungsentwicklung richtig gelegen. Wie der Grafik zu entnehmen ist, kamen die großen Zuflüsse in den Franken erst ab dem Jahr 2002, als der Schweizer Franken auf seinen Gipfeln gegenüber dem Euro über 1,50 erklommen hatte. Seit damals ist der Franken relativ kontinuierlich gefallen und alle Kreditnehmer haben davon genauso profitiert wie von der Zinsersparnis. Die Ersparnis gegenüber einer Euro-Finanzierung lag nie unter einem Prozent und ist derzeit wieder auf rund 1,70 Prozent angewachsen.
3. Auch beim Yen hatten die Österreicher bis zum Jahr 2003 eine äußerst glückliche Hand und finanzierten sich praktisch zu null Zinsen, während gleichzeitig der Yen gegenüber dem Euro um über 30 Prozent in die Knie ging. Bis ins Jahr 2004 sind allerdings die meisten Kreditnehmer aus dem Yen ausgestiegen und haben vornehmlich in den Schweizer Franken gewechselt (siehe die Grafik der ausstehenden Kreditvolumina in Yen und Franken). Das war deutlich zu früh, denn der Yen fiel weiter kontinuierlich und der Zinsabstieg ist sogar noch größer geworden. Aus Sicherheitsgründen war das allerdings die absolut richtige Entscheidung, da der Yen auch schnell und massiv nach oben anspringen kann (siehe z. B. die Jahre 1992 und 1999 in der Kursgrafik).
4. Und schließlich haben die privaten Österreicher auch nichts anderes gemacht als internationale Hedge-Fonds und andere große institutionelle Anleger, deren Geschäft seit einiger Zeit nun „Carry Trades" genannt wird: Die großen Finanzhaie der Welt finanzieren sich billig in Yen und Franken und legen nicht in Häusern, sondern in hochverzinsten Anleihen z. B. in Neuseeland-Dollar an.
2007 sieht gut aus
Per Jahresende 2006 sind fast alle Fremdwährungskredite im Schweizer Franken gelandet; Yen-Kredite (und auch US-Dollar-Kredite) sind vergleichsweise „Streuverlust" mit ausstehenden Volumina von weniger als zwei Milliarden Euro. Und alle Franken-Kredit-Nehmer haben trotz steigender Zinsen ein schönes Jahr hinter sich: Der Währungskurs gegenüber dem Euro ist mehr als vier Prozent gefallen; 400.000 Österreicher haben sich heuer also quasi kostenlos finanziert.
Die meisten Währungsexperten gehen davon aus, dass der Schweizer Franken noch immer - wegen der Stärke seines Finanzplatzes, nicht wegen der wirtschaftlichen „Power" -überbewertet ist, und im berühmten "Big Mac"-Index ist der Schweizer Franken auch nach Kursrückgang eine der teuersten Währungen. Die Schweizer Wirtschaft hat sich zwar deutlich erholt, da aber im Euro-Raum auch die Exportlokomotive Deutschland wieder in Fahrt ist, droht von der wirtschaftlichen Basis her wenig Gefahr.
Auch die Zinsdifferenz zwischen dem EURIBOR und dem LIBOR auf Schweizer Franken bleibt erhalten und hat sich nach den stärkeren Zinserhöhungen im Euro wieder auf rund 1,7 Prozent ausgeweitet. Die Schweizer Notenbank orientiert sich offenbar weiter am Euro und möchte den Abstand beibehalten, nicht zuletzt um den Franken nicht zu sehr als Anlagewährung attraktiv zu machen. Denn im Unterschied zu anderen Währungen leidet die Schweizer Notenbank an der Beliebtheit ihrer stabilen Währung und muss die Wirtschaft vor einer zu starken Währung schützen.
Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass der Schweizer Franken dann besonders stark geworden ist, wenn der US-Dollar Kraft bewies, was aber 2007 nicht das Thema sein sollte, oder wenn es zu einer größeren Krise kommt. Die ist natürlich in Zeiten wie diesen nie auszuschließen und eine große politische oder wirtschaftspolitische Katastrophe ist wohl auch das größte Bedrohungsszenario für die Franken-Kredit-Nehmer.