Verfasst von Admin am 10. Februar 2007 - 7:23.
Die Kreditzinsen steigen, wie jeder von Zeitungen und Kontoauszügen leicht merkt. Umgekehrt können die Kreditnehmer im Schweizer Franken heuer bereits im Fasching eine Flasche Sekt mehr knallen lassen, denn ihre Kredite wurden trotz Zinsenerhöhungen in den letzten Wochen deutlich billiger. Was ist nun in unsicheren Zeiten wie diesen der günstigste Kredit?
Welche Banken sind die billigsten und ist der billigste Kredit auch der günstigste?
Ist der Schweizer Franken nun bereits so tief gefallen, dass er nicht mehr interessant ist und Kreditnehmer eher schon wieder mit Gewinnen in den Euro zurückwechseln sollten?
Da sage noch einmal einer, niemand könne Zinsen und Währungen prognostizieren und jede Prognose sei reine Kaffeesudleserei. Die Zinsen im Euro steigen seit Monaten so schön stetig wie mit dem Lineal gezogen. Und besser an Prognosen können sich die Zinsen auch kaum mehr halten. Sogar der Schweizer Franken hat genau das gemacht, was er gegenüber dem Euro tun muss, er hat nämlich abgewertet. Und die Zinsen halten sich erfreulich brav an ihren Respektabstand zum Euro.
Wer richtig und solid finanziert hat, musste also in der letzten Zeit zwar etwas mehr Geld für Zinsen aufwenden als zuletzt, aber nichts davon geschah überraschend und über Währungsgewinne konnte man die Bilanz sogar wieder ins Positive drehen. Aber alles schön der Reihe nach.
Euro-Zinsen: runter, flach, wieder rauf
Die kurzfristigen Zinsen im Euro, genannt EURIBOR, die heute das wichtigste Maß für Kreditnehmer sind, klebten nach dem 11. September 2001 für vier Jahre an der Zweier-Marke. Doch dieses künstliche Paradies für Kreditnehmer endete im September 2005; seither schleichen die EURIBOR-Zinsen täglich nach oben, auf gegenwärtig rund 3,7 Prozent.
In der jetzigen optimistischeren Wirtschaftslage wäre der „natürliche Zinssatz" die Summe aus (Ziel-)Inflation (zwei Prozent) plus Wirtschaftswachstum (je nach Prognosen zwischen zwei und drei Prozent für den EuroRaum), also möglicherweise 4,5 Prozent. Und da die EZB weitere Zinsanhebungen angekündigt hat, kann man fast sicher darauf vertrauen, dass die Euro-Zinsen in den nächsten Monaten zumindest an die Vierer-Marke herankriechen werden.
Der EURIBOR und die Zinsgleitklausel
Was heißt das jetzt aber für Kreditnehmer? Warum zunächst sind die EURIBOR-Zinsen das wichtigste Zinsenmaß? Weil hypothekarisch besicherte Kredite seit zehn Jahren an einen Indikator oder an eine Zinsgleitklausel gebunden sein müssen, und da ist der EURIBOR der am häufigsten gewählte Zinsenindikator. Die Banken holen sich das Geld zu diesem Zinssatz von anderen Banken und geben den Kreditnehmern diesen Zinssatz plus Aufschlag (das ist also die Verdienstspanne der kreditgewährenden Bank) an den Kunden weiter. Der Aufschlag liegt in der Regel zwischen 0,75 und zwei Prozent, je nach Bank und Kunden, und das Ergebnis finden Sie in der Tabelle „Erhebung: Hypothekarkredit“ unter den „Hypothekarkrediten mit variabler Verzinsung“ abgedruckt. Zwischen vier und knapp fünf Prozent verlangen die Banken per Stand Mittejänner 2007 von ihren guten Kunden.
Wer den EURIBOR (die Vergleichswerte der Vergangenheit) braucht, um seine Bank zu kontrollieren, tut dies am besten mit den Zahlen der Österreichischen Nationalbank auf www.oenb.at. (Wer unter „Rund ums Geld" und Zinsverlauf" sucht, findet Daten zurück bis 1980.)
Am häufigsten wurde der EURIBOR in Gemeinschaft mit der Sekundärmarktrendite in Kreditverträge eingetragen. Der Durchschnitt daraus ist dann die Basis für die laufende - meist quartalsweise - Zinsanpassung. Das ist an sich für den Kreditnehmer nicht schlecht, da er sich damit an eine Mischung aus kurzfristigen und langfristigen Zinsen bindet, und die können oft weit auseinanderlaufen. Andererseits ist die gemeinschaftliche Kennzahl nicht so einfach zu kontrollieren, da man sich die Formel im Kreditvertrag genau ansehen muss.
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Die wichtigsten Währungen und Zinsen
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Franken-Abwertung entlastet Kredite

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Der Franken ist in den letzten Wochen deutlich gefallen. Die Kreditbudgets aller Österreicher wurden allein in den ersten drei Wochen des neuen Jahres um fast eine Milliarde Euro entlastet!
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Konstanter Zinsabstand

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Entgegen vieler Analysen ist der Zinsenabstand zwischen Euro und Schweizer Franken in den letzten Jahren fast konstant zwischen 1,5 und zwei Prozent geblieben - und sollte das auch heuer tun
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Niedrige Zinsen im Langfristvergleich

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Die langfristigen Zinsen im Euro sind zwar jüngst angestiegen, aber im langfristigen Vergleich noch immer günstig. Die Sekundärmarktrendite liegt derzeit bei rund 3,7 bis 3,8 Prozent
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Oft werden heute auch Hypothekardarlehen am Beginn der Laufzeit für ein oder auch drei Jahre fixiert. Das hat den Vorteil der sicheren Vorhersage der Kreditrate am Beginn der Laufzeit, die ja meist die sensibelste Zeit ist, weil die finanzielle Decke der Wohnungskäufer, Sanierer und Häuslbauer am stärksten angespannt ist (man nimmt halt dann doch die schöneren Fliesen oder hat vergessen, auch das Stiegengeländer und die Kreditsteuer mit einzuplanen).
Die kurze anfängliche Zinsbindung kann aber auch den Effekt einer dicken Schminke haben: Die Kreditnehmer sehen sich zu wenig an, was hinter der schönen Oberfläche steckt, also was eigentlich für die restlichen 19 oder 24 Jahre des Kredits gilt. Und das ist häufig ein Zinsenaufschlag von unverhandelten zwei Prozent. Ist klarerweise nicht immer so, aber die Frage nach Spesen und Aufschlag nach dem Ablauf der Zinsbindung ist wichtig, schließlich kann man - anderer Vergleich - als „eingecheckter" Kreditnehmer mit Restflugdauer von 19 Jahren nur schwer während des Flugs die Linie wechseln, weil man merkt, dass die Fluggebühren nach dem Start nachträglich angehoben wurden.
Längerfristige Zinssätze weiter günstig
Die aktuellen Kreditkonditionen für diese Zinsbindung von einem und drei Jahren finden Sie ebenfalls in der Tabelle „Hypothekarkredite". Was man im groben Vergleich der drei Kreditarten übrigens gut sieht, ist das, was die Finanzprofis „flache Zinskurve" nennen: Die Zinsen, zu denen sich Bank (und Kunde) längerfristig aneinander zu einem festgelegten Zinsenniveau fesseln (denn es darf in der Zeit der Bindung nicht gekündigt oder rückbezahlt werden, außer gegen hohe „Strafaufschläge"), sind nicht viel höher als die variablen Zinsen. Eine so flache Zinsenwelt gab es in der Vergangenheit ganz selten und wie man an der Verzinsung der zehnjährigen Euro-Staatsanleihe sieht, bleibt die Landschaft auch am ganz langen Horizont eben. Selbst eine 30-jährige Euro-Staatsanleihe steigt nicht weit über vier Prozent, und das ist der am weitesten entfernte Punkt am Horizont, der regelmäßig gemessen wird.
Deswegen sind auch längerfristige Zinsbindungen weiter interessant, haben aber einen praktischen Nachteil: Hypothekarkredite mit Zinsbindungen von mehr als fünf Jahren werden privaten Kreditnehmern kaum angeboten. Wer in seinem Leben daher alles und auch seinen Zinssatz auf zehn Jahre und noch länger geplant und geregelt haben will, greift in der Praxis zu Bauspardarlehen. Diese sind im Unterschied zu der schlechten alten Zeit heute viel günstiger als die langjährig gelernte Sechs-Prozent-Latte.
Bausparkassen vergeben ihre Darlehen heute durchwegs so, dass sie die Zinsen ähnlich wie variabel verzinste Hypothekarkredite an das aktuelle Zinsniveau anpassen. Sie können das sogar noch leichter als andere Banken tun, da sie ihre Bausparer als Geldquelle benutzen (und nicht andere Banken), denen sie in den letzten Jahren nur einen Tinnef auf ihre Einlagen bezahlen mussten (in manchen Jahren in manchen Verträgen weniger als ein Prozent) und so auf ihre Spannen kamen.
Die Sechser-Latte ist zwar noch immer da und zur festgeschraubten Obergrenze für die Zinsen geworden. Teurer wird es für den Darlehensnehmer einer Bausparkasse nicht, auch wenn einmal ein Orkan das Zinsniveau entwurzeln sollte (in den letzten 60 Jahren kam es in den Jahre 1973, 1981 und 1991 zu so schlimmen Verwüstungen, dass sich eine solche Verankerung des Kredits - und höhere Zinsen, die man quasi als Prämie dafür bezahlte - wirklich gerechnet hätte).
Die aktuellen Konditionen der vier Bausparkassen finden Sie in der Tabelle „Die Darlehen der Bausparkassen". Sie zeigen, dass die Bausparkassen sehr konkurrenzfähige Angebote im Vergleich mit den Hypothekarkrediten ausweisen. Sie gehen dabei aber alle von durchschnittlichen Rechnungszinssätzen von drei Prozent für die gesamten 20Jahre aus, was aus heutiger Sicht unrealistisch erscheint.
Schweizer Franken
Damit zu den Kreditnehmern im Schweizer Franken, und das sind bei ausstehenden Fremdwährungskrediten im gesamten Gegenwert von 40 Milliarden Euro ziemlich genau doppelt so viele als Kunden der Bausparkassen (Darlehensvolumen rund 20 Milliarden Euro).
Der Schweizer Franken stand bei Redaktionsschluss bei rund 1,62 zum Euro. Das ist um fünf Prozent niedriger als vor einem Jahr und um neun Prozent niedriger als vor fünf Jahren. Nur vor 1998 stand der Schweizer Franken tiefer als heute. Wer also heute einen Schweizer-Franken-Kredit offen hat, kann sich ruhig ein Gläschen Irgendwas auf seine eigene Rechnung genehmigen. Denn zur jahrelangen Zinsersparnis gegenüber dem Euro-Kredit kamen in den letzten fünf Jahren auch die Profite des warmen Windes dazu, der den Schweizer Franken nach Süden geblasen hat. Nur als Anhaltspunkt: Wer vor fünf Jahren 100.000 Euro im Schweizer Franken aufgenommen hat, wäre heute der Bank ziemlich genau diesen Betrag schuldig, da die Währungsgewinne ungefähr so groß sind wie die Zinsenzahlungen in dieser Periode. Gegenüber dem variabel verzinsten Euro-Kredit war das aber eine Ersparnis von 15 bis 20 Prozent, also 15.000 bis 20.000 Euro!
Vorausgesetzt natürlich, man finanzierte sich über eine Bank, die einem nicht bei Ausgabeaufschlag oder sonstigen Spesen über den Tisch zog. Einen Überblick über die aktuellen und wichtigen Kennzahlen dazu finden Sie in der Tabelle „Erhebung: Fremdwährungskredite": Jeder Kreditnehmer mit guter Bonität sollte vor allem nur Spesenaufschläge von maximal 1,5 Prozent auf den LIBOR im Schweizer Franken zahlen, denn höhere Kosten fallen Quartal für Quartal an und sind folglich der größte Kostentreiber.
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"Schweizer Franken: rein oder raus?"