Verfasst von Admin am 28. Oktober 2008 - 23:00.
Österreichs Privathaushalte stehen mit stattlichen 116,3 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide, die rot-weiß-roten Unternehmungen (Nichtbanken) mit weiteren 129,5 Milliarden Euro. Sieht so eine Kreditkrise aus? „Die Ausleihungen stagnieren noch auf hohem Niveau", berichtet Bernhard Felderer, Präsident des Staatsschuldenausschusses, „wobei der Credit Crunch im Spätherbst auch in Österreich spürbar wird." Nach dem jüngsten Finanzcrash werden Banken bei den Ausleihungen jetzt noch vorsichtiger, Kredite könnten noch teurer werden. So lautet die jüngste „geschäftspolitische Entscheidung" der Volksbank Wien, Konsumkredite nur noch bestehenden Kunden zu gewähren. Wer sich in nächster Zeit Geld leihen will oder muss, tut gut daran, es jetzt zu tun, bevor die Banken ihr Geldbörsl zuschnüren. Bei der derzeit hohen Inflation liegt der reale Zinssatz sogar unter zwei Prozent. Denn die Kreditzinsen sind nicht im gleichen Ausmaß wie die Preise gestiegen - noch nicht. Experten raten, für die nächsten zwei bis drei Jahre die Zinsen zu fixieren. Hier weitere neun Tipps, wie Sie sich bessere Kreditkonditionen ausverhandeln.
Kredit günstig - Tipps:
- Fixzinsen sichern
- Geheimtipp „Zinscaps"
- Das Comeback der Bausparer
- Alte Schulden neu verhandeln
- Umschulden aber richtig
- Raten - statt endfällige Kredite
- Bonität verbessern
- Firmenkredite zu Topkonditionen
- Kreditfinanziert veranlagen
Tipp 1: Fixzinsen kurzfristig sichern
Selten zuvor waren sich die Experten so unsicher, wie sich Konjunktur, Finanzwelt und Inflation und somit auch das Zinsniveau entwickeln werden. Ihr Rat an die Kreditnehmer: Fixieren Sie bei Kreditneuabschlüssen für die nächsten zwei bis drei Jahre die Zinsen - man rechnet nicht damit, dass das derzeit hohe Nominalzinsniveau so schnell zurückkommen wird. Derzeit werden für Neuabschlüsse von Hypothekarkrediten mit zwanzig Jahren Laufzeit die ersten drei Jahre zu einem Nominalzins ab 5,25 Prozent angeboten (VB Wien, siehe Tabelle Die Kosten von Hypothekarkrediten), effektiv - inklusive aller Spesen - sind dies 5,5 Prozent. Bei den meisten Banken überschreitet der Effektivzinssatz aber schon sechs Prozent, die Zinsobergrenze bei Bauspardarlehen. Dies erklärt auch den „Run" auf die Bausparkassen (siehe Tipp 3).
Interessant ist allerdings, dass manche Banken eine fünfjährige Fixverzinsung zu denselben Konditionen wie eine dreijährige anbieten. Die Erste und die Volksbank Innsbruck bieten eine längere Fixierung der Zinsen sogar günstiger an. Dies könnte heißen, dass sie mittelfristig mit fallenden Zinsen rechnen (daher Rat - maximal drei Jahre Fixzinsen zu vereinbaren).
Grundsätzlich kann auch Christian Prantner, Experte der Arbeiterkammer, Fixzinsvereinbarung etwas abgewinnen, „nur sollte man gleichzeitig auch schon die Bedingungen für den variablen Zinssatz festlegen, der nach der Fixzinsphase von zwei bis drei Jahren gilt". In dieselbe Kerbe schlägt Alexander Maly, Chef der Schuldnerberatung Wien: „Banken ködern Kunden oft mit niedrigem Fixzinssatz für ein Jahr, danach ist er variabel und steigt enorm an." Fazit: Unbedingt schon vor Vertragsabschluss den Referenzzinssatz (beispielsweise den Drei-Monats-EURIBOR) und den Bankaufschlag (Marge) vereinbaren.
Vorsicht, Nebenspesen!
Wer nach Auslauf der Fixzinsperiode erneut die Zinsen fixieren möchte, sollte unbedingt auf die Nebenspesen achten, warnt AK-Finanzprofi Prantner: „So verlangt die BAWAG für den administrativen Aufwand einer Neuvereinbarung gleich stolze 100 Euro unabhängig von der Höhe der Ausleihung. 100 Euro müssen bei kleineren Kreditbeträgen erst einmal mit einem Zinsvorteil aus Fixzinsen verdient werden!" Apropos Nebenspesen: Zu den versteckten Nebenkosten zählen vor allem exorbitant hohe Bearbeitungsgebühren (sie können zwischen 0,5 und drei Prozent variieren).
Ein sozusagen typisches „Körberlgeld" können sich Finanzierer auch durch eine für den Kunden ungünstige Zinsgleitklausel holen. Unseriös ist etwa ein Angebot, das als Referenzzinssatz beispielsweise den Zwölf-Monats-EURIBOR vorsieht, anstelle etwa des Drei-Monats-EU RIBOR. Über die gesamte Laufzeit gesehen kann die Mehrbelastung bei einem 100.000-Euro-Kredit mehrere Tausend Euro Mehrbelastung ausmachen! Weitere Kostenfallen: hohe Kontoführungsgebühren, Erhebungs- und Schätzkosten, bis zu 50 Prozent Prämienunterschied beim Ablebensschutz usw.
Tipp 2: Zinsrisken mit „Zinscaps" absichern
Der Traum vom schnellen „Weginflationieren" der Schulden kann zerplatzen wie eine Seifenblase, wenn die EZB auf die hohe Inflation mit höheren Leitzinsen reagiert. „Es ist allerdings in den letzten zwei Jahrzehnten festzustellen, dass die Realzinsen in Zeiten hoher Inflation deutlich niedriger sind", so Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer, der für 2009 wieder mit einer niedrigeren Inflation rechnet.
Nach dem jüngste Banken-Beben in den USA nicht so schnell rechnen darf man hingegen mit niedrigeren Zinsen. Wer sich gegen steigende Kreditzinsen wappnen will, fährt mit Zinsabsicherungsprodukten wie Bauspardarlehen (Zins kann maximal sechs Prozent ausmachen) oder sogenannten „Zinscaps" gut, die sich speziell für Inhaber von Fremdwährungskrediten eignen. Angeboten werden standardisierte Zinsabsicherungsprodukte in Form von Zinscap-Optionsscheinen („Zinscaps"). Zinscap-Optionsscheine sind eine Kette von Call-Optionen auf den abzusichernden Referenzzinssatz. Ihr Wert hängt von der Entwicklung und Volatilität des abzusichernden Zinssatzes sowie Markterwartungen über die weitere Zinsentwicklung ab. Je mehr der Referenzzinssatz sich der festgesetzten Zinsobergrenze (genannt „Strike") annähert, desto teurer werden Zinscaps. Selbst bei Zinssteigerungserwartungen ziehen die Preise an. Überschreitet der vereinbarte Referenzzinssatz (z. B. Drei-Monats-EURIBOR bzw. der Drei-Monats-CHF-LIBOR) die Zinsobergrenze, erfolgen Ausgleichszahlungen in Höhe der Differenz zur vereinbarten Zinsobergrenze. Darunter profitiert man weiter von niedrigen Zinsen (siehe Grafik).
Sofort volle Absicherungskosten
Die zur Absicherung zu entrichtende Prämie wird am Beginn der Laufzeit als Einmalzahlung in Höhe eines gewissen Prozentsatzes vom abzusichernden Volumen fällig. Manche Banken finanzieren Zinscap-Investments alternativ auch über die gesamte Kreditlaufzeit. Allerdings sollte dieses Modell nur bei angespannter Liquiditätssituation gewählt werden, denn die Laufzeiten von Zinscap-Optionsscheinen sind in der Regel kürzer als jene von Hypothekarkrediten. Daher stottert man noch die Kosten für den Zinscap ab, wenn der Hypothekarkredit durch diesen längst nicht mehr abgesichert ist.
Zinscap-Optionsscheine, die man unabhängig vom Grund(Kredit-)geschäft erwerben kann, sollten möglichst die Restlaufzeit des Kredits absichern. Vor allem sollte man sich unbedingt mehrere Angebote einholen, rät Fremdfinanzierungs-Profi Gerhard Massenbauer, „kaum wo gibt es derart eklatante Preisunterschiede".
Wann lohnen sich nun Zinscaps?
Zinscaps sind bei Euro-Krediten derzeit nicht zu empfehlen, da die Absicherung im Verhältnis meist zu teuer kommt. Ein heißer Tipp sind sie allerdings bei Yen-Krediten. Hier gilt es, den Zinsvorteil von über vier Prozent gegenüber Euro-Krediten so gut wie möglich zu bewahren. Höhere Inflationsraten sind vorprogrammiert, Leitzinserhöhungen nicht ausgeschlossen. Bei langfristigen Schweizer- Franken-Finanzierungen sollte man sich Zinsabsicherungen anschauen. Hier sollte man auch einen möglichen Auftrieb des Franken aufgrund der Finanzmarktkrise im Auge behalten.
Tipp 3: Das Comeback der Bausparer
„In Zeiten steigender Kapitalmarktzinsen und unsicherer Aktienmärkte gewinnt Bausparen an Attraktivität", unterstreicht Dr. Josef Schmidinger, derzeit Vorsitzender des Arbeitsforums österreichischer Bausparkassen, den neuen Boom bei Bauspardarlehen - ein klarer Hinweis auf das erhöhte Interesse an der sechsprozentigen Zinssatzobergrenze bei Bauspardarlehen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stiegen die Ausleihungen aller Bausparkassen um 8,4 Prozent auf 15.998 Millionen Euro. Besonders stark stiegen die Zwischendarlehen, nämlich um 470 Millionen Euro oder 12,6 Prozent auf 4.186 Millionen Euro. Um künftig alle Darlehenswünsche rasch erfüllen zu können, hoffen die heimischen Bausparkassen für ihre über fünf Millionen Kunden auf eine Anhebung der seit 1999 eingefrorenen Bemessungsgrundlage von 1.000 auf 1.200 Euro pro Person und Jahr sowie auf eine laufende Valorisierung. Dies brächte bei einem öffentlichen Einsatz von jährlich rund 15 Millionen Euro ein zusätzliches Finanzierungsvolumen von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr.
Siehe Tabelle Bauspardarlehen sind wider attraktiv!
Tipp 4: Alte Schulden neu verhandeln
Nichts gilt für die Ewigkeit, auch nicht Kreditkonditionen. Sollten Sie sich nach all den Zinserhöhungen oder aufgrund von geänderten Lebensumständen die Raten nicht mehr leisten können, sollten Sie den Weg zu Ihrem Bankberater keinesfalls scheuen - Verzugszinsen kommen teuer. Der erste Ausweg ist, längere Laufzeiten zu vereinbaren, damit die monatliche Belastung sinkt, und womöglich um eine Stundung und einen Mahnstopp anzusuchen. Doch selbst wenn man in der Defensive ist - oder gerade dann -, sollte man Konkurrenzangebote einholen oder sich zumindest einen groben Überblick über die aktuell marktüblichen Zinsen verschaffen (www.bankenrechner.at) - das verbessert Ihre Verhandlungsposition.
Oft leichter als über den eigentlichen Zinssatz - aber ebenso wirkungsvoll - lässt sich über Nebenspesen mit der Bank diskutieren. Eine hohe Kontoführungsgebühr (40 Euro und mehr) kann sich über die Gesamdaufzeit auf 2.000 bis 3.000 Euro summieren. Genauer anschauen sollte man sich auch die Kosten für den Ablebensschutz, hier gibt es Prämienunterschiede von 50 Prozent und mehr. Eine oft günstigere Alternative zu Ablebensversicherung sind Kreditrestschuldversicherungen, die in der Prämie die Reduktion der Schuld während der Laufzeit berücksichtigen. Bevor man aber eine vinkulierte Ablebens- oder auch Feuerversicherung ändert, sollte man sich genau über die Bearbeitungsspesen informieren, die für die Änderung anfallen (siehe auch Tipp 5).
Bei endfälligen Krediten sollte man nach den Kursstürzen an der Börse unbedingt die Performance seines Tilgungsträgers überprüfen, damit die Schere zwischen dem Wert des Tilgungsträgers und der am Ende zu zahlenden Kreditschuld nicht zu sehr aufgeht. Sollte die Bank einen Nachschuss in den Tilgungsträger einfordern, sollte man die Deckungslücke selbst grob überschlagen, ob sie wirklich so groß ist und ob es Sinn macht, mit diesem Tilgungsträger weiter anzusparen.
Bei Fremdwährungskrediten lohnt es sich, sich bei der Konkurrenz über die Konvertierungskosten und Switchgebühren zu informieren - vielleicht lässt Ihre Bank ja etwas nach.
Scheidung, was nun?
Ein besonderes Problem kann eine Scheidung darstellen (jede zweite Ehe . . .). In der Praxis bleiben geschiedene Eheleute in der Haftung als (Ausfalls-) Bürge. Eine Möglichkeit ist, sich durch Abschlagszahlungen aus der Haftung zu befreien. „Besser ist, wenn der alte Kreditvertrag untergeht, beispielsweise durch Umschuldung oder wenn der Ex-Gatte eine neue Sicherheit, sprich: einen neuen Mitschuldner oder Bürgen, in den Kreditvertrag einbringt", rät AK-Experte Christian Prantner. So kann man aus dem Kredit bzw. der Schuldenfalle elegant aussteigen . . .
Tipp 5: Umschulden aber richtig
Lässt Ihre Bank nicht mit sich verhandeln, dann können Umschuldungen mit einem Konkurrenzinstitut finanzielle Vorteile bringen, und das hoffentlich nicht nur dem neuen Anlageberater. Bevor die Umschuldung von Hypothekardarlehen noch etwas bringt, fallen meist eine Reihe von Gebühren an, die man bedenken sollte.
Neue Gebühren beim Umschulden
Rechtsgeschäftsgebühr 0,8%
(Kreditsteuer)
Grundbucheintragungsgebühr 1,2%
(Eintragung des Pfandrechts)
Kreditbearbeitungsgebühr 0,5 bis 2,0%
Nebengebührensicherstellung 0,12 bis 0,36%
(für höhere Besicherungsumme)
Ingesamt bis zu 4,36%!
Die Kreditsteuer wird jedoch nur dann (erneut) fällig, wenn gesetzliche Fristen bei der Umschuldung nicht beachtet werden. In diesem Fall können sich die Umschuldungskosten auf bis zu 4,36 Prozent belaufen. Im günstigsten Fall fallen lediglich eine Grundbucheintragungsgebühr und Nebengebührensicherstellung von 1,32 Prozent und eine Bearbeitungsgebühr von 0,5 Prozent - also insgesamt 1,82 Prozent - an.
So spart man sich die Kreditvertragsgebühr
Unter folgenden Voraussetzungen kann man sich die staatliche Kreditvertragsgebühr sparen:
Bis zur Höhe des aushaftenden Vorkredits ist der Umschuldungsbetrag von der Gebühr befreit. Ein eventueller Aufstockungsbetrag hingegen ist gebührenpflichtig. Weiters darf sich durch die neue Kreditvereinbarung keine gebührenpflichtige Laufzeitverlängerung ergeben. Bei Einmalbarkrediten mit einer ursprünglichen Laufzeit von weniger als fünf Jahren darf die Gesamtlaufzeit von fünf Jahren nicht überschritten werden. Bei ursprünglichen Laufzeiten von mehr als fünf Jahren darf es überhaupt keine Laufzeitverlängerung geben. Wenn doch, ist der am ursprünglichen Laufzeitende noch offene Kreditbetrag zu vergebühren.
Umschuldung auch vermerken!
Eine Grundvoraussetzung einer Umschuldung ist, dass der bisherige Kreditvertrag aufgelöst und die aushaftende Kreditsumme vollständig durch die Umschuldung abgedeckt wird. Auch muss im neuen Kreditvertrag vermerkt sein, dass es sich um eine Umschuldung handelt! Die Aufhebung sowie Rückzahlung des alten Kredits hat innerhalb eines Monats ab Beurkundung des neuen Kreditvertrags zu erfolgen.
Vorsicht, Pönalen!
Da man die Schuld beim alten Kreditnehmer fristgerecht begleichen muss, um sich eine neuerliche Kreditvertragsgebühr zu ersparen, ist es wichtig, die Umschuldung gut zu timen. Dazu sollte unbedingt der ursprüngliche Kreditvertrag geprüft werden, da nicht wenige Vereinbarungen eine Kündigungsfrist enthalten. Wird während dieser Frist umgeschuldet, dann fallen Pönalezahlungen an. Bei Hypothekarkrediten sind Fristen von bis zu sechs Monaten und ein Pönale von einem Prozent des rückgezahlten Betrags durchaus üblich.
Weiters ist auch auf die Zinsbindung beim ursprünglichen Kredit zu achten. Bei Umschuldung während einer Fixzinsperiode (oder Roll-over-Periode bei Fremdwährungskrediten) kann ebenfalls eine Vorfälligkeitsentschädigung anfallen (beispielsweise die tatsächlich angefallenen Kosten, mindestens fünf Prozent vom vorzeitig rückgezahlten Betrag).
Grundbucheintragungsgebühr sparen
„Kleinvieh" - und davon kann man bei der Grundbucheintragungsgebühr eigentlich gar nicht mehr sprechen - macht auch Mist. Mit einer sogenannten Forderungseinlösung gemäß §§ 1422, 1423 ABGB spart man sich die Gebühr für die Grundbucheintragung und damit oft 1,2 Prozent (!) der Kreditsumme. So funktioniert es: Der neue Kreditgeber (die einlösende Bank) zahlt direkt vom neuen Kreditkonto dem bisherigen Kreditgeber die noch offene Kreditsumme zurück. Es erfolgt keine Umstellung des Pfandrechts im Grundbuch, daher wird auch keine Grundbucheintragungsgebühr fällig. Dabei werden dennoch alle Rechte, insbesondere die vereinbarten Sicherheiten, an die einlösende Bank abgetreten. Die alte kreditgewährende Bank bleibt aber weiterhin als Gläubiger im Grundbuch, händigt jedoch dem neuen „Big Spender" als Sicherheit eine „Löschungsquittung" aus.
Die Forderungseinlösung hat für den Schuldner nur Vorteile: In Summe können durch die Forderungseinlösung und Befreiung von der Kreditsteuer bereits 2,12 bis 2,36 Prozent der Kreditsumme eingespart werden! Kommt die Bank entgegen, dann erlässt sie noch die Bearbeitungsgebühr. Mittlerweile gibt es schon vereinzelt Umschuldungsangebote, bei denen die Grundbucheintragungsgebühr plus Nebengebührensicherstellung von der einlösenden Bank übernommen werden.
Kredite vorzeitig zurückzahlen
Überlegen sollte man auch die gemäß Bankwesengesetz jederzeitige Möglichkeit, einen Kredit teilweise oder ganz zurückzuzahlen. Damit sinkt der aushaftende Kreditbetrag, was bessere Konditionen rechtfertigt (nachverhandeln!). Eine Pönale bei vorzeitiger Tilgung ist nur bei hypothekarisch besicherten Krediten oder bei jenen, die zur Schaffung oder Sanierung von Wohnraum dienen und eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren haben, zulässig - vorausgesetzt, Pönale und Kündigungsfrist (maximal sechs Monate) sind im Vertrag festgehalten.
Wann das Umschulden überhaupt Sinn macht
Bei einer Umschuldung innerhalb von Euro-Finanzierungen sollten sich die Umschuldungskosten spätestens nach der halben Restlaufzeit, maximal jedoch nach vier Jahren amortisiert haben. Generell macht eine Umschuldung nur Sinn, wenn sie entweder zu einer optimierten Finanzierungsstruktur und/oder nachhaltigen Zinseinsparungen führt. In der Regel liegt der Zinsaufschlag auf den Referenzzinssatz (vereinbarter Interbankensatz wie z. B. der Drei-Monats-EURIBOR) bei 1,25 oder 1,50 Prozent. Mit viel Verhandlungsgeschick kann dieser jedoch entweder beim bisherigen Kreditgeber oder bei einem neuen Institut um bis zu 0,25 Prozent gesenkt werden, woraus bereits nach fünf Jahren eine Zinsersparnis von 1,25 Prozent resultieren würde.
Tipp 6: Raten - statt endfällige Kredite
Vor allem bei endfälligen Krediten profitiert man von der Inflation, da man monatlich nur Zinsen zahlt, die eigentliche Kreditsumme aber erst am Ende der Laufzeit tilgt, wobei sich diese bis dahin teilweise „weginflationiert". Endfällige Finanzierungsmodelle haben einen Schönheitsfehler: den sogenannten Tilgungsträger, einen Mix aus Anlageprodukten, mit dem man anspart, um am Ende den noch offenen Kredit tilgen zu können. Doch die Rechnung geht nicht mehr auf, weil kaum ein Tilgungsträger noch Renditen abwirft, die über dem Kreditzinsniveau liegen. Und sollte ein findiger Anlageberater einen entsprechend hochverzinsten Tilgungsträger aufspüren, steht dieser meist nicht auf den internen Tilgungsträgerlisten der Gläubigerbank und wird nicht akzeptiert.
Bei Neuabschlüssen raten wir derzeit zu Ratenkrediten. Wenn schon endfällige Kreditmodelle, dann sollte man hier als Tilgungsträger Multi-Asset-Fonds (Abdeckung der Anlageklassen Aktien, Anleihen, Immobilien und Alternative Investments) bevorzugen, die bisher eine akzeptable Performance hatten und als Tilgungsträger auch von der Bank genehmigt werden.
Doch was machen Kreditnehmer, die bereits mit einem Tilgungsträgermodell - häufig monatlich angesparte Lebensversicherungen - ihren Wohntraum finanzieren? Aus Kostengründen sollte die „Leben" in die neue Finanzierung hineingenommen und weiter bespart werden. Keinesfalls sollte man sich vor Ablauf einer Frist von zehn Jahren zu einer vorzeitigen Auflösung überreden lassen: Die Versicherungssteuerdifferenz in Höhe von sieben Prozent der einbezahlten Prämien müsste nachversteuert werden. Ist ein Tilgungsträger (mit Ausnahme Lebensversicherungen) aber auf Dauer nicht fähig, eine Rendite über dem Kreditzinsniveau abzuwerfen, empfiehlt sich eine Umstellung von endfälligem Kredit auf Ratenzahlung. Wird dadurch die monatliche Belastung zu hoch (weil sich die Raten erhöhen), hilft eine Verlängerung der Kreditlaufzeit.
Beim Wechsel von Tilgungsträgern oder auch von eingebrachten Sicherheiten lauert eine Spesenfalle, berichtet Konsumentenschützer Prantner von einem spektakulären aktuellen Fall: Eine Konsumentin wechselte bei ihrem Wohnkredit mit Zustimmung der Bank lediglich den Versicherer ihrer vinkulierten Feuerversicherungspolizze, um sich ein wenig Prämie sparen zu können. Die kreditgewährende Bank verlangte für ihren damit verbundenen Aufwand - angeblich 174 Minuten Arbeitszeit fürs Umschreiben - 350 Euro!
Tipp 7: Bessere Bonität bringt 7 einige Tausend Euro!
Nicht alle Bankkunden sind gleich - Konditionen werden je nach Kreditwürdigkeit vergeben, nach dem jüngsten Finanzcrash umso mehr! Laut Erhebung kann eine sehr gute Bonität gegenüber einer sehr schlechten bei einem Hypothekarkredit von 100.000 Euro über die gesamte Laufzeit einen Effektivzinsvorteil von einem Prozent, in absoluten Zahlen eine Ersparnis von 12.000 Euro bringen!
Keinesfalls lohnt es sich, seiner Bank etwaige Zahlungsengpässe bei anderen Gläubigern vorzuenthalten - sie finden es durch die Routine-Abfrage beim Kreditschutzverband ohnedies raus. Wer befürchtet, dass längst getilgte Schulden immer noch im „Sündenregister" des KSV vermerkt sind, kann selbst einmal im Jahr eine Gratisabfrage beim Kreditschutzverband machen (nähere Info auf www.ksv.at). Eine der wichtigsten Bonitätskriterien sind die Sicherheiten. Hier können auch Lebensversicherungen, bereits vorhandene Sparbücher (auch von Eltern oder Großeltern) herangezogen werden. Doch Vorsicht: Sobald etwa das Sparbuch der Mutter im Kredit vinkuliert ist, hat auch sie erst wieder Zugriff auf ihr Erspartes, sobald der Kredit vollständig zurückbezahlt ist.
Auch bei laufenden Krediten empfiehlt es sich, bei den routinemäßigen Gesprächen mit dem Berater abzuklopfen, ob dieser noch von der richtigen Bonität ausgeht oder ob man diesbezüglich durch einen besser dotierten Job, ein Erbstück oder auch durch „Soft facts" (beruflicher Aufstieg, bessere Ausbildung etc.) nicht schon bessere Kreditkonditionen verdient.
Bei bestehenden Kunden wird auch das bisherige Kontoverhalten verfolgt, so die Auskunft der Erste Bank. Da zählt, wie oft man im Minus ist, ob Rechnungen pünktlich bezahlt werden, Inkasso-Büros Zahlungsempfänger sind usw. Nicht zuletzt verbessert man seine Bonität, indem man nur so viel Schulden aufnimmt, wie unbedingt notwendig. Laut Landeshypo Niederösterreich kann der Unterschied zwischen sehr guter und schlechter Bonität sein, ob das persönliche Haushaltsbudget noch sehr viel oder keinen Spielraum zulässt . . .
Tipp 8: Günstigere Firmenkredite
Gerade KMUs, Freiberufler und Selbständige hatten es in Bezug auf die Kreditvergabepolitik von Banken schon bisher nicht leicht. Wo bei einem Arbeitnehmer meist die Vorlage der letzten drei Gehaltszettel für die Vergabe eines Kredits ausreicht, muss man als Selbständiger oder Unternehmer „die Hosen viel weiter runterlassen" und sauber aufbereite Einkommensteuererklärungen oder Bilanzen und umfassende Informationen über die Firma vorlegen, um den Bankbetreuer von der eigenen Kreditwürdigkeit zu überzeugen. Mit der Einführung von Basel II, einer strengeren Regelung für die Eigenkapitalhinterlegung, hat sich die Kreditvergabe an Unternehmer noch zusätzlich verkompliziert. Dazu erwartet Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer, dass auch Österreichs Banken aufgrund der internationalen Finanzkrise und der aufkeimenden Angst vor einer Rezession in Europa ihr Geldsackerl noch enger zuschnüren könnten. Laut den jüngsten Ergebnissen der regelmäßig durchgeführten „Bank Lending"-Umfrage der OeNB haben die heimischen Banken im zweiten Quartal 2008 zum vierten Mal hintereinander die Richtlinien für Unternehmerkredite etwas verschärft und die Zinsspanne sowohl für risikoreichere Kredite als auch für Kunden mit durchschnittlicher Bonität angehoben.
Dennoch mehr Kredite
Und dennoch: „Das Wachstum der Firmenkredite ist in Österreich von Juni 2007 auf Juni 2008 von 4,2 auf 7,8 Prozent gestiegen, die höchste Wachstumsrate seit August 2006. Seit Dezember wurde das Kreditvolumen österreichischer Banken mit österreichischen Firmenkunden um 5,5 Milliarden Euro erhöht, voriges Jahr waren es im selben Zeitraum nur 3,3 Milliarden", möchte sich Martin Frank, Firmenkundenchef bei der Bank Austria, nicht den „Schwarzen Peter" umhängen lassen.
Auch seine Kollege von der Erste Bank, sehen von seiner Warte aus keine Verknappung des Kreditangebots für Unternehmen: „Der Liquiditätsengpass durch die Finanzkrise ist nur bei größeren Unternehmen zu spüren. Unternehmensanleihen mit 300, 400 Millionen Euro sind derzeit tatsächlich recht schwierig zu platzieren. Aber an kleinere und mittlere Unternehmen haben wir die erhöhten Liquiditätskosten nicht weitergegeben. Das würde ein so hart umkämpfter Markt nicht akzeptieren." Und tatsächlich sind die Zinsen für Unternehmenskredite im letzten Jahr nicht so stark gestiegen wie der Zinssatz, den die Bank für Ausleihungen untereinander zahlen müssen (EURIBOR): Während der durchschnittliche Zinssatz für Firmenkredite in Österreich von 5,1 auf 5,5 Prozent um 0,4 Prozent gestiegen ist, hat der Zwölf-Monats-EURIBOR um knapp 0,9 Prozentpunkte zugelegt.
Der Weg zum günstigeren Kredit
Fakt ist, dass Firmenkredite mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 5,5 Prozent heute fast so teuer sind wie im Jahr 2001. Und in Kombination mit einer Konjunkturabkühlung, wie man sie schön langsam zu spüren bekommt, können jetzt die erhöhten Finanzierungskosten auch ein gestandenes Unternehmen ordentlich in Bedrängnis bringen.
Aus diesem Grund haben wir für Unternehmer, Freiberufler bzw. Selbständige eine Fülle an geldwerten Tipps zusammengetragen, mit denen man die Kreditkosten um das eine oder andere Prozent senken können sollte:
Geförderte Kredite ausnutzen!
Erste Anlaufstelle für Unternehmer ist hier das Austria Wirtschaftsservice (www.awsg.at), eine Organisation des Bundes, die mit Zuschüssen, zinsgünstigen Krediten, durch die Übernahme von Haftungen sowie durch Begleitung und Beratung heimische Firmen unterstützen soll. Sie verwalten auch den erp-Fonds, aus dem heraus günstige Darlehen angeboten werden (siehe Tabelle).

Sehr interessant ist beispielsweise das KMU-Programm, das gerade kleinen und mittleren Unternehmen günstige Kreditkonditionen bietet. „Es ist hier KMUs möglich, einen Kredit für Neugründungen, Betriebsansiedlungen, Produkt- oder Verfahrensinnovationen in einer Höhe von mindestens 100.000 Euro bis maximal 7,5 Millionen Euro mit einer Laufzeit von sechs bis zehn Jahren zu beantragen. Eine absolute Innovation dabei ist, dass auch am Anfang eine tilgungsfreie Zeit möglich ist", meint Peter Takacs, Geschäftsführer des austria wirtschaftsservice. Laut aktuellem Konditionenblatt zahlt man in den ersten beiden tilgungsfreien Jahren lediglich 1,75 Prozent Zinsen p. a., ab dem dritten Jahr beträgt der fixe Zinssatz 2,25 Prozent. Für längere Laufzeiten (ab sechs Jahren) kommt der sprungfixe Zinssatz - aktuell 2,75 Prozent - zur Anwendung, der an die Entwicklung des Fünf-Jahres-Euro-Zinsswap-Satzes gebunden ist und nur bei maßgeblichen Veränderungen angepasst wird. Die einmaligen Kosten für die Einrichtung dieses Kredits belaufen sich dabei auf 0,9 Prozent der Kreditsumme. „Damit liegt der Zinssatz deutlich unter den marktüblichen Sätzen. Nachteil ist, dass der Kredit über eine Bankhaftung, AWS-Garantie, Wertpapiere oder Hypotheken besichert sein muss", so Takacs.
Mit ähnlichen Angeboten richten sich diese erp-Programme an Unternehmen (auch größere), die sich entweder in alten Industriegebieten oder in peripheren Regionen ansiedeln, die Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Technologiebereich betreiben oder die sich im Ausland niederlassen wollen. Des Weiteren fördern einige Programme spezielle Branchen wie die Land-, Forstwirtschaft, Tourismus oder Verkehrswirtschaft über gestützte Kredite (genauere Details dazu findet man auf der Homepage www.awsg.at).
Haftungen einbauen!
Mit dem Einbau von Haftungsübernahmen bzw. Bürgschaften und Garantien von Dritten kann man die Bank doch noch zu der Gewährung des Kredits oder zu besseren Konditionen umstimmen. Die Kreditkosten lassen sich so selbst dann noch senken, wenn man ohnehin schon eine gute Bonität besitzt. Sollte kein Verwandter oder Bekannter als Bürge einspringen, kann einem das austria wirtschaftsservice unter Umständen aushelfen: Das Aws bietet KMUs bis zu 80 Prozent Haftungsübernahme für Kredite bis zu einer Höhe von 2,5 Millionen Euro an. Dafür wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr in Höhe von 0,5 Prozent der Darlehenssumme und ein bonitätsabhängiges Haftungsentgelt (ab 0,6 Prozent jährlich) fällig. „Laut Oesterreichischer Nationalbank senkt unsere Haftungsübernahme die Kreditzinsen im Schnitt um ein Prozent. Somit kann man sich nach Abzug des Haftungsentgelts hiermit ein paar Zehntelprozent ersparen. Das kann bei größeren Darlehenssummen schon was ausmachen", rechnet Peter Takacs vor. Haftungen für Mikrokredite (bis 25.000 Euro) gibt's dabei zu besonders günstigen Konditionen, weil hier kein Bearbeitungsentgelt zu bezahlen ist.
Privatkredit aufnehmen
In vielen Fällen erhalten Unternehmer als Privatpersonen die besseren Kreditkonditionen von der Bank als ihre Firmen. Auch macht sich eine stärkere Eigenkapitalausstattung beim Rating gut, was sich wiederum günstig auf die Konditionen für vorhandene Kredite des Unternehmens auswirken kann.
Der Unternehmer muss sich halt dessen bewusst sein, dass er damit mehr Risiko auf sich nimmt. Oft wird dadurch auch der Aufwand bei der Abstimmung höher, weil der Firmen- und Privatkundenbetreuer nur in seltenen Fällen die gleiche Person sind.
Kontoführung auf Hochglanz bringen
Bevor man sich zur Verbesserung seines Basel-II-Ratings daran macht, ein ausgefeiltes Controllingsystem einzuführen oder seine Kennzahlen mit aufwendigen Maßnahmen zu optimieren, sollte man einen ganz banalen Tipp beachten: Achten Sie auf Ihre Kontoführung! Bei kleineren Unternehmen oder Selbständigen ist das Zahlungsverhalten eine der gewichtigsten Fragen bei der Beurteilung der Bonität unserer Kunden. Deshalb sollte man es tunlichst vermeiden, das Konto über den vereinbarten Rahmen hinaus für längere Zeit zu überziehen. Das wirkt sich extrem negativ auf das Rating aus. So sollte man etwa Liquiditätslücken vermeiden, wie sie bei Steuerfälligkeitsterminen auftreten. Wenn man Engpässe vorzeitig erkennt, ist es ratsam, bei seiner Bank eine kurzzeitige Ausweitung des Kontorahmens anzufragen. Das kostet zwar eine Bereitstellungsgebühr, dafür verhaut man sich nicht das Rating bei der Hausbank, was einem längerfristig viel teurer zu stehen kommen kann.
Mit Sicherheiten Rating aufpolieren
Mit Basel II erhalten Sicherheiten bei der Berechnung der Kreditkonditionen eine neue Bedeutung: „Früher war es so, entweder man brachte Sicherheiten mit oder man hat einfach den Kredit nicht bekommen. Heute kann man damit aktiv an einer Verbesserung der Kreditkonditionen arbeiten. Mit Basel II kann man durch entsprechende Sicherheiten 0,5 Prozent Zinsen p. a. im Vergleich zu unbesicherten Krediten sparen", erklärt Martin Frank, Firmenkundenchef bei der Bank Austria.
Sogar Selbständige mit vergleichsweise geringer Bonität können bei vorhandenen Sicherheiten bessere Konditionen herausschlagen, weil die Bank den besicherten Teil des Kredits mit weniger Eigenkapital hinterlegen muss. Unter Umständen akzeptiert Ihre Bank heute auch schon mehr als nur Immobilien zur Besicherung eines Kredits. Denn mit Basel II wurde die Definition dessen, was als Sicherheit akzeptiert wird, deutlich ausgeweitet: Jetzt finden auch Investmentfonds, Aktien oder beispielsweise Lebensversicherungen als Sicherheiten Beachtung. Banken, die nach einem „Internal Rating Based"-Ansatz jeden einzelnen Kunden selbst raten, dürfen eine noch größere Auswahl an Besicherungsmöglichkeiten in den Kredit einbauen, wodurch der Kredit billiger werden sollte - die Bank darauf ansprechen!
Aktiv am besseren Rating arbeiten
Es zahlt sich aus, an einem insgesamt besseren Rating zu arbeiten. Immerhin macht der Zinsunterschied zwischen dem schlechtesten und dem besten Rating bei den heimischen Banken rund drei Prozent p. a. aus. Im Großen und Ganzen ähneln sich die Rating-Systeme der Banken sehr stark. Ein schlechtes Rating bei einer Bank wird daher auch bei der Konkurrenz nicht wesentlich besser ausfallen!
Üblicherweise werden beim Rating „harte" und „weiche" Faktoren erhoben, die je nach Größe des Unternehmens unterschiedlich stark in die Gesamtbetrachtung miteinfließen: Je jünger und kleiner die Firma, desto stärker spielen „weiche" Faktoren wie das Überziehungsverhalten oder die Qualität des Managements eine Rolle. Im Unterschied zu den „harten" Faktoren, wie etwa dem Eigenkapitalanteil und diversen Rentabilitäts- und Liquiditätskennzahlen, die erst bei bilanzierenden Firmen ins Gewicht fallen: So werden bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern die Soft-Facts mit rund 70 Prozent gewichtet, während sie bei bilanzierenden Unternehmen nur 40 bis maximal 50 Prozent der Gesamtnote ausmachen. Deshalb kann man gerade als Selbständiger oder Kleinunternehmer sein Rating durch die Optimierung der weichen Faktoren deutlich verbessern.
Die wichtigsten „weichen" Faktoren fürs Rating
(gereiht nach der Gewichtung innerhalb der „Soft Facts")
- Überziehungsverhalten
- Qualität des Managements
- Marktentwicklung und Marktposition
- Rechnungs- und Berichtswesen
- Auftragsstand und Auslastung
- Anlagen, System und Organisation
Die wichtigsten „harten" Faktoren fürs Rating
(gereiht nach der Gewichtung innerhalb der „Hard Facts")
- Eigenkapitalquote
- Schuldendienst
- Finanzierungsstruktur
- Fremdkapitalumschlag
Richtig auf das Rating vorbereiten
Besser agieren als reagieren: Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, seinen Bankberater schon vorab anzurufen, wenn der nächste Rating-Termin absehbar ist. Dabei sollte man sich ausmachen, welche Informationen in welcher Form man zum Gespräch mitnehmen bzw. schon vorab schicken sollte, und sich so Bonuspunkte einhandeln. Folgende Infos werden von der Bank typischerweise verlangt:
- Allgemeine Infos über die Firma (Auszug aus Gewerberegister, Firmenbuchauszug, Gesellschaftervertrag, Struktur der Beteiligungsverhältnisse, Organigramm).
- Firmenkonzept (Leitbild, Strategie, Infos über die Branche bzw. Geschäftsfelder, Produkte bzw. Dienstleistungen, Vertrieb).
- Einkommensverhältnisse (Steuerbilanz der letzten drei Geschäftsjahre bzw. Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bei nicht bilanzierenden Unternehmen, letzter Steuerbescheid und Steuererklärung auch vom Firmeninhaber bzw. Gesellschafter).
- Kontostand bei Finanzamt und Krankenkasse.
- Rechnungswesen und Controlling (Organisation der Finanzbuchhaltung, Steuerberater, Bilanzpolitik, Aufbau des Controlling).
- Finanzierung (Kapitalstruktur, Finanzierungsquellen, Sicherheiten).
- Bei Firmenneugründungen - Business-Plan.
Eigentlich selbstverständlich, aber immer noch häufig unterschätzt wird die Aufmachung, in der diese Informationen präsentiert werden. Deshalb unbedingt auf eine professionelle Präsentation bzw. Dokumentation achten.
Tipp 9: Kreditfinanziert veranlagen
Kein vernünftiger Anleger wird auf die Idee kommen, kreditfinanziert auf Einzelaktien zu setzen, schon gar nicht in „Bären-Phasen" wie diesen. Investments mit aufgenommenen Krediten wieder zurückzuzahlen funktioniert nur bei kalkulierbaren Zahlungsströmen und kontinuierlich steigenden Einnahmen. Vehikel sind hier etwa Solarbeteiligungen in Spanien oder Italien, wo der Staat Einspeistarife und Stromabnahme für die Betriebsdauer der Solaranlage garantiert. Auch Anlagewohnungen können sich eignen. Beispiel: Die Mietrendite berägt im ersten Jahr fünf Prozent auf den Kapitaleinsatz, die Kreditzinsen machen sechs Prozent aus. Steigen die Mieteinnahmen um lediglich 2,5 Prozent p. a., dann beträgt die Miete nach 20 Jahren bereits 8,2 Prozent p. a. bezogen auf den ursprünglichen Kapitaleinsatz. Doch es ist auch davon auszugehen, dass der Immobilienpreis gestiegen ist. Selbst wenn der Markt später eine Rendite von 6,5 Prozent verlangt, weil auch die Kreditkosten steigen, wären die Steigerungen aus den Mieteinahmen ein Vielfaches, während der zurückzuzahlende Kreditbetrag derselbe bleibt.
Je höher der zu Beginn eingesetzte Eigenkapitalanteil (sinvoll wären zwölf bis 20 Prozen), desto schneller können die Schulden zurückgezahlt werden.
Quelle: GEWINN - Österreichs Bestes Wirtschaftsmagazin