Alternativen zum Bankkredit

Im Gegensatz zu Banken und Versicherungen haben Pfandleihen und Autobelehnungen einen eher zweifelhaften Ruf, Gerade dieser Tage bleiben sie eine gern, genutzte Alternative, wenn die Bank den Geldhahn zudreht oder der Liquiditätsbedarf möglichst flott gelöst werden soll.

Die Wirtschaftskrise und ihre Schockwellen lassen die Banken ihre Schotten dicht machen. Dass diese zur Zeit eher zurückhaltend Kredite vergeben, hört man nicht nur aus den Nachrichten. Wer in letzter Zeit seinen Bankberater traf, lernte diesen zugeknöpft wie selten kennen. Wer heute schnell mal Geld auf Kreide braucht und keine entsprechenden Sicherheiten vorweist, steht im Regen. Auch wenn die heimischen Geldinstitute nicht müde werden, die Richtlinien zur Kreditvergabe als genauso streng oder nicht streng wie in wirtschaftlich goldeneren Zeiten zu bezeichnen.

Hab und Gut in Not.

Die Folge: Privatpersonen mit eingeschränkter Liquidität stehen vor der Alternative, ihr Hab und Gut zu verkaufen oder es auf anderem Wege zu Geld zu machen. Etwa durch freiwillige Verpfändung in einer Pfandleihe oder Autobelehnung. Für Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes, eine „bessere und praktischere Alternative zum Notverkauf, der ja in Krisenzeiten auch nicht immer gut funktioniert." Die rund 200 Mitgliedsbetriebe seines Verbandes zahlen über den gesamten deutschsprachigen Raum verteilt jährlich rund 470 Millionen Euro an Krediten aus, Tendenz steigend. „Und das, obwohl unserem Gewerbe nach wie vor und für mich völlig unverständlich ein seltsam zwielichter Ruf anhaftet, zumindest im Vergleich zu den Banken."

Penibel und sauber.

In der Tat wird jemand, der sich vom Pfandleiher Geld ausborgt, selten öffentlich damit prahlen, während der fremdwährungsfinanzierte Wohnbaukredit bei der Hausbank kaum irgendwo tabuisiert wird. Auch für Doris Krumpl, Pressesprecherin des Wiener Dorotheums, ist das ein skurriler Zustand: „Unser Institut wurde vor 300 Jahren gegründet, um den Zinswucher des aufkommenden Geldverleihgeschäfts einzudämmen. Das Pfand sollte also gewissermaßen das Kreditgeschalt regulieren. Und damals waren es die Banken, die den schlechten Ruf hatten." Auch in puncto Rechtssicherheit haben Pfandleih-Kunden nichts zu befürchten, weiß Wolfgang Schedl: „Die Abwicklung unserer Geschäfte ist durch den Gesetzgeber penibel geregelt. Auch die Zinsen und Gebührensätze sind gesetzlich festgelegt."

Temporär verflüssigt.

Heute ist die Dorotheum GmbH und Co KG Österreichs größtes Pfandleihhaus, dies allerdings allein auf weiter Flur einer stark schrumpfenden Branche. Schmuck, Antiquitäten oder andere wertstabile Dinge können dort wohl „temporär verflüssigt" werden, das Versetzen von elektronischen Geräten oder Gegenständen des täglichen Lebens ist allerdings nicht mehr möglich. Zu groß ist der Wertverfall, zu flüchtig die Sicherheit des Verleihers. Die durchschnittliche Pfandsumme im Dorotheum belauft sich auf rund 350 Euro, die Kundschaft zieht sich quer durch alle Einkommensschichten. Neben Leuten mit finanziellen Liquiditätsbedürfnissen hat das Dorotheum aber auch Stammkunden, die ihre Preziosen dort einfach gut aufgehoben wissen wollen und sie „etwa wenn sie auf Urlaub fahren zu uns bringen, damit wir sie ihnen sicher verwahren", so Kromp. Die meisten Dorotheum-Kunden zahlen ihre Außenstände übrigens vereinbarungsgemäß und pünktlich zurück: „Gut 90 bis 95 Prozent aller bei uns verpfändeter Gegenstände werden auch wieder ausgelöst."

Schnittlauch aufs Brot.

Dass die aktuelle Krise den Pfandleihen das Geschäft nur so in die Kasse weht, kann Doris Krump allerdings genauso wenig bestätigen wie Christian Folkmann, Gründer der „Dr. Folkmann GmbH" und seit knapp dreißig Jahren im KFZ-Belehnungsgeschäft tätig. Mit durch Autobelehnung lukrierten Geldern werden meist Luxusgüter oder Urlaube finanziert, was auch das Autobelehn-Geschäft weitgehend konjunkturabhängig macht. „Zwar bekommen die Leute jetzt weniger Geld von der Bank, dafür wird in Krisenzeiten auch weniger konsumiert", sagt Folkmann.

Dezent & diskret.

Gewisse Vorteile eines Pfanddarlehens gegenüber einem Normalkredit sind bei genauerer Betrachtung tatsächlich manifest. So kommt etwa kein Privatschuldverhältnis zustande, weil ja nur der verpfändete Gegenstand - diesfalls das Auto - haftet. Durch den so entfallenden Organisationsaufwand - Bonitätsprüfung, Schuldbesicherung etc. - kommt der Kunde schnell zu seinem Geld, „oft innerhalb von einer halben Stunde", so Folkmann. Letztlich wird am Pfanddarlehen auch die völlige Diskretion in der Abwicklung wertgeschätzt. „So alles vereinbarungsgemäß abläuft und der Kunde sein Fahrzeug zeitgerecht auslöst, erfährt niemand von der ganzen Sache."

Böse Zinsen?

Entgegen der landläufigen Meinung halten sich zu guter Letzt auch die Kosten eines Pfanddarlehens in Grenzen, zumal dieses Finanzierungsmodell naheliegenderweise auf kurze Leihzeiträume zugeschnitten ist. So belaufen sich die monatlichen Kosten bei der klassischen Fahrzeugbelehnung auf rund acht Prozent der Leihsumme, alle anfallenden Gebühren bereits inkludiert. Die Höhe des Darlehens bestimmt sich übrigens am Wert des Pfandgegenstands, Fahrzeuge werden hierbei nach Eurotax und tatsächlichem Zustand bewertet. „Bei Weiterbenützung zahlen wir höchstens ein Drittel des Fahrzeugwertes aus, lässt der Kunde das KFZ bei uns, ist eine Auszahlung von bis zur Hälfte des Pfandwertes denkbar."

Drei Prozent Ausfälle.

Kommt der Kunde seinen " vereinbarten Verpflichtungen am Fälligkeitstag - Verlängerung, Teilrückführung des Darlehens oder Auslösung - nicht nach, wird das Fahrzeug nach einer sechswöchigen Schutzfrist öffentlich versteigert. Lässt der Schuldner das belehnte Auto vorsorglich verschwinden, wird es gesucht und letztlich eingezogen, ähnlich dem Vorgehen von Banken, wenn man seinen Leasingraten nicht nachkommt. Eher selten kommt es vor, dass ein belehntes Fahrzeug - und so auch der damit verknüpfte Leihbetrag - komplett verschwindet und abgeschrieben werden muss. Die Ausfallsquote taxiert Christian Folkmann nicht unähnlich jener herkömmlicher Geldinstitute: bei rund drei Prozent des gesamten Ausleihvolumens.